Marathon mit Licht und Schatten

Philippides, die Finisher-Trophäe,  macht eine gute Figur, während ich doch noch etwas angestrengt meine Schritte setze. Die Auslaufrunde heute morgen nach dem Hochwald-Marathon gestern tut ganz schön weh. Aber das Laktat muss weg. Vor allem die Hüftbeuger mucken nach all den Höhenmetern.

Würde Waden- und Schienbeinmuskulatur mir wieder einen Strich durch die Rechnung  machen? Diese Frage hat mich vor dem Lauf doch mehr beschäftigt als mir lieb war.  Aber bis auf ein diskretes Ziehen in den Schienbeinen auf den letzten Metern des zweiten Wurzelwegaufstiegs zur Ruwerquelle war zum Glück nichts zu spüren. Zwei etwas gemäßigter gelaufene Kilometer, dann war dieser Anflug von Überlastung wieder verschwunden.

Mit Marcel am See im Kell.

Marcel war bald wieder eingeholt, ohne dass ich bewusst schneller gelaufen bin. Ich hatte ihm zuvor signalisiert, er solle sein Tempo laufen. Vielleicht hatte es mich ja auch mein Liebingslaufcoach Jens Nagel motiviert, der beim Halbmarathon startete und mich als genau auf dieser Passage mit aufmunternden Worten überholte. Auch Hans-Peter Rohden, der meinen Krampflauf im Jahr zuvor miterlebt hatte, glaubte mich in einer besseren Verfassung zu sehen. Er selbst konnte wegen einer Verletzung dieses Mal leider nicht laufen.

Schön und anspruchsvoll: Der Weg hinauf zur Ruwerquelle.

Oben angekommen, mache ich erst einmal langsamer.

Auf dem langen Anstieg zum Rösterkopf habe ich dann auch zu Birthe aufgeschlossen, die auf der ersten Hälfte der Strecke sehr flott unterwegs war. Als Favoritin für die Frauenwertung war sie an den Start gegangen. Aber wie es eben so ist, taucht dann überraschend noch jemand Stärkeres auf. In diesem Fall eine Läuferin aus Weimar, die mit ihren sehr starken Lauftreff-Freunden zu einer Marathonreise in den Hochwald gekommen war. Nahezu in jeder Wertung hatten die Gäste aus Weimar eine Platzierung.

Dass sie danach von dem Lauf schwärmten, lag aber auch an der landschaftlich tollen Strecke. Und die Befürchtung, dass es ein Hochnebellauf würde, hat sich auch bereits drei Kilometer nach dem Start zerschlagen, als die Sonne durchkam und den Wald verzauberte.

Mir gab das auch einen wichtigen „Kick“, war ich doch an diesem Tag nicht so locker wie sonst. So half das ein oder andere Schwätzchen mit anderen Startern, darunter einige ganz alte Hasen mit Dutzenden Marathons oder gar Ultras in den persönlichen Teilnehmerlisten.

Dass Marcel auf dem letzten Anstieg gehen musste, habe ich nicht wirklich ernst genommen. Im Ziel tat es mir ein wenig leid, nicht gewartet zu haben. Aber vermutlich wäre es mir dann auf den letzten sechs Kilometern noch übler gegangen. Die waren wirklich schwer, auch wenn ich vermutlich nochmal Tempo gemacht habe. Genau sagen kann ich das nicht, weil auf meiner Garmin der Speicher ausgerechnet da voll war.

Zielfoto mit Birthe – die Welt ist wieder in Ordnung.

Richtige Freude kam also erst wieder im Ziel auf, als ich eine Zeit unter 3:40 Stunden registriert habe. Vor einem Jahr war ich mit Krämpfen noch knapp über 4 Stunden geblieben. Birthe kam eine halbe Minute nach mir rein – meine Tempomacherqualitäten sind wohl noch ausbaufähig. Marcel hatte tatsächlich größere Probleme, war unterzuckert und musste auf den letzten sechs Kilometern alle Steigungen gehen. Dennoch war er superglücklich mit seiner Zeit unter 3:45 Stunden – und nicht sauer auf mich.

Meine Zeit: 3:37:59 Stunden – so verriet es die offizielle Ergebnisliste an der Wand der Hochwaldhalle. Platz 10. Eine Frau war schneller.

Jens auf Platz drei im Halbmarathon – Die Euphorie ist entsprechend groß.

Richtig schön wurde es dann noch im Anschluss, beim Plaudern mit Bekannten, Freunden und anderen netten Läuferinnen und Läufern.

Bericht, Fotos und Ergebnislisten gibt es natürlich auf dem Laufportal: www.volksfreund.de/laufen

Und nun? Keine Ziele mehr für den Rest des Jahres. Ich bin gespannt, wie lange ich das genießen kann.

 

 

18 Gedanken zu „Marathon mit Licht und Schatten

  1. Herzlichen Glückwunsch zur Top 10-Platzierung, lieber Rainer! Ein toller Lauf auf einer superschönen Strecke – und du siehst mal wieder geradezu unverschämt frisch aus im Ziel. Da hast du dir die schicke Trophäe wirklich verdient!

    Liebe Grüße & gute Erholung
    Anne

    • Danke, liebe Anne. Sehe ich tatsächlich frisch aus? Na ja, das war nur oberhalb der Beine so… 😉

      Jetzt zwickt und zwackt es an der ein oder anderen Stelle. Aber das kenne ich schon nach solchen Läufen. Ein paar Tage Pause tun nun gut.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

  2. Den Glückwünschen schließe ich mich gerne an! Tolle Zeit und so eine enorme Verbesserung – super, einfach nur super!!!

    Wünsche Dir gute Erholung und bin gespannt, was als nächstes kommt :-))

  3. Herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Ergebnis! Eine Hammerzeit auf dieser Strecke. Ich lief nur die halbe Distanz und könnte mir ehrlich nicht vorstellen, dort einen ganzen Marathon in solch einer Zeit zu laufen. Gute Erholung!
    LG
    Ralph

    • Danke Ralph!

      Dann haben wir uns wieder verpasst. Das ist ja so langsam zum Verzweifeln. Bist Du beim Wurzelweglauf dabei? Spätestens da muss es endlich mit dem persönlichen kennenlernen einmal klappen.

      Viele Grüße
      Rainer 😎

  4. Kann mich nur wiederholen
    Es ist und bleibt dein Jahr
    Glückwunsch, du Berghirsch
    und Wünsche
    dass es auch in der kommenden Zeit alles so gut und erfolgreich bliebe !
    Lässt du dir einen Bart wachsen
    oder warst du nur unrasiert ?
    Rasierte Männer sind mir lieber !
    Aber mich fragt ja keiner !
    Oder ???????????????

    • Danke Margitta! Keine Sorge, ich war nur unrasiert. Bartträger werde ich nicht, höchstens für drei Tage 😉

      So ein echter Babypopo-Glattrasierer bin ich aber nicht. Zu empfindliche Haut. Der Elektrorasierer muss reichen.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

  5. Tja, was soll ich sagen: GLÜCKWUNSCH!

    In diesem für Dich so erfolgreichem Jahr war in Sachen Einbruch und Krämpfen definitiv nichts zu befürchten.

    Klasse, Rainer!

    Liebe Grüße
    Volker

    • Danke Volker! Das sagst Du so leicht. Also die Beine waren schon sehr schwer im Ziel. Aber mit der Zeit lässt sich auch mit schweren Beinen flott laufen.

      Jetzt erst einmal erholen und dann… Mal sehen 😉

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

  6. Hallo Rainer,
    schön war´s. Und Danke für´s Mitnehmen. Sowohl auf der Hinfahrt als auch auf dem letzten Teil der Strecke. 🙂
    Die letzen 6 km?
    Da kann ich ungefähr aushelfen: 4:24, 4:36, 5:07, 4:49, 4:55, 4:26
    Bei dir halt die letzten 3 (?) noch ein wenig schneller.
    Schön, dass es dieses Mal für dich so gut gelaufen ist.
    Statt Auslaufen hatte ich gestern einen Ausflug in den Eifelpark. Viel , viel rumgehen. War bergauf etwas anstregend. 😉 Aber kaum Muskelkater.

    Erhol dich gut.
    Und jetzt keine Ziele mehr? Na wenn das mal nicht schnell langweilig wird.

    Schöne Grüße,
    Birthe

    • Danke Birthe, ich nehme Dich gerne wieder mit. Das war sehr angenehm. So flott waren wir unterwegs? Na das sind doch Hausnummern!

      Viel Muskelkater habe ich auch nicht. Aber es zwickt und zwackt insgesamt etwas in den Gelenken.

      Für den Herbst hast du ja einige Anreize genannt. Mal sehen …

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

  7. Hallo Rainer,
    Glückwunsch auch von mir zu Deiner Leistung. Ich kenne die Gegend dort noch aus meiner Bundeswehrzeit. Aber einen Marathon laufen hätte ich dort damals nicht wollen.

    Keep on running
    Steffen

    • Hallo Steffen!

      Vielen Dank! Aus dem Stand ist dieser Marathon auch nicht anzuraten. Da muss man(n) vorher schon einige langen Kanten mit Höhenmetern gelaufen sein.

      Wenn Du mal wieder in der Region läufst: einfach bei mir melden!

      I’ll do it

      Rainer 😎

  8. Starke Zeit. Spätestens seit dem TAR weiß ich, was es heißt, Höhenmeter zu klotzen. Wieviele sind das da im Hochwald? Sieht echt schön aus…

    • Hallo Manuel! Willkommen als kommentierende Seidenraupe in meinem Blog. Du kannst das tatsächlich gut einschätzen. Wobei Ihr da einige mehr auf dem Buckel habt.
      In Schillingen sind es um die 800 Höhenmeter, einfach gerechnet. Aber empfehlenswert ist es, die gemütlicher anzugehen. Landschaftlich ist das eine tolle Sache.

      Glück auf!
      Rainer 😎

  9. Lieber Rainer,
    da kann ich nur gratulieren und es scheint ja wirklich ein Meilenstein im Vergleich zum letzten Jahr, auf jeden Fall was die Zeit betrifft. Ein wenig Leiden gehört schon dazu, oder? Du scheinst momentan wirklich in Topform zu sein, riskier nur keine Verletzung, das wäre schade.
    Also nochmals Gratulation

    Salut

    • Danke Christian! Ist schon richtig. Ganz ohne Schmerzen ist so ein Lauf nicht möglich, zumindest nicht so flott.
      Meinen Beinen geht es heute schon wieder ziemlich gut. Ich mache aber noch einen Tag Pause, bevor ich wieder die Laufschuhe anziehe. Vorsicht ist besser als Verletzung.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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