Er sollte nicht so lang werden

Ich habe es getan. Ich muss gestehen. Ich habe gegen meine Grundsätze verstoßen, wirklich langsam Distanz und Zeit zu steigern. Aber irgendwie sollte es heute nicht sein.

Samstagslauf mit den Jungs vom Lauftreff. Christoph hat abgesagt. Mal gespannt, wer sich bei leichtem Regen und 3 Grad um 8 Uhr am Sportplatz einfinden wird … Es sind Marcel und Marc, die Unerschütterlichen.

Ich habe meine Mizuno-Straßensofas nicht ohne Hintergedanken angezogen. Es soll ein flacher Lauf an der Mosel werden. Vielleicht eine bisschen länger als in den vergangenen Wochen … Lost geht es also im gemütlichen Plaudertempo Richtung St. Matthias, um dort von der Konrad-Adenauer-Brücke zu einer klassischen 10-Kilometer-Brückenrunde anzusetzen.

DSC04550Erinnerungen an das Vorbereitungstraining für den Hamburg-Marathon werden wach, als ich hier bei Dunkelheit und Regen so manchen Tempodauerlauf und noch mehr Intervalleinheiten geschrubbt habe. Das Gefühl danach war immer Belohnung für die Überwindung und Quälerei. Und das ist auch heute unser Motto. Quälerei ist da zwar nichts. Aber meine Laufpartner gestehen, dass es ihnen heute nicht leicht gefallen sei, sich zum Laufen zu motvieren.

Als wir an der Kaiser-Wilhelm-Brücke sind, fragt mich Marcel, ob ich schon mit ins falsche Biewertal laufen könne. Und auch Marc meint, er würde gerne 25 Kilometer laufen. Für mich ist das definitiv zu viel. Ihren Vorschlag, mit mir zunächst zurückzulaufen und dann noch eine Schleife dranzuhängen, ehrt sie zwar. Aber ich will ihnen den Spaß nicht vermiesen. Also schlage ich vor, bis zur Eisenbahnbrücke Pfalzel weiter an der Mosel zu laufen. Ich würde mich dann über Kürenz auf den Rückweg machen, während die beiden Jungs noch eine Runde durch den Weißhauswald dranhängen könnten.

DSC04557Gesagt, getan. Erst mit der Zeit wird mir klar, dass ich die Entfernungen nicht mehr so recht im Gefühl habe. Denn an der Pfalzeler Brücke zeigt die Garmin schon 15 Kilometer an. Mindestens weitere sechs sind es bis nach Hause. Ob das gut geht?

DSC04553So schicke ich also die Jungs auf ihre Extra-Runde und mache mich auf den Heimweg … Was macht die Leiste? Bislang eigentlich unproblematisch. Hat der Besuch beim Osteopathen schon einen Effekt, der Hüfte und Schambein mit dreifach  heftigem Knacken in die angeblich wieder gerade Position gebracht hat.

DSC04559Die Mosel bietet ein friedliches Bild. Warum mitten auf der Brücke ein ans Geländer angeschlossene Mountainbike einen Kopfstand macht, bleibt mir verborgen. Ein Stilleben der besondern Art. Durch die teilentvölkerte Riverissiedlung wiet bis nach Kürenz. Kilometer 17.  Was macht die Leiste? Da ist doch etwas. Aber kein wirklicher Schmerz. Es ist wohl eher der Darm.

Durch Kürenz oder durch das Avelertal? Keine Frage. Lieber einige Höhenmeter mehr, dafür aber Natur. Der Weihnachtsbaummarkt versperrt mir zunächst den richtigen Weg hinauf nach Neu-Kürenz. Aber nach einem Hopser über den Bach bin ich auf dem bekannten Pfad. Kilometer 19. Die Beine fühlen sich schon etwas schwer an. Schließlich bin ich seit einigen Monaten nicht weiter als 15 Kilometer gelaufen. Es regent wieder stärker. Kein Problem. Kontaktlinsenwetter!

DSC04560 Den steilen Stich hinauf zur Keuneschule. Hinüber zum Unicampus. An den Weihern vorbei. Konzentrische Kreise vom Regen auf dem Wasser. Die Leiste? Na ja. Jetzt reicht es so langsam. Die Beine? Dito.

HInunter also durch den Kleeburgerweg nach Olewig. Die Garmin zeigt 22,8 Kilometer. Wow. So weit sollte es nicht werden. Jetzt ausführlich gedehnt. Und abwarten, was passiert. Zwei Tage Laufpause müssen jetzt in jedem Fall sein.

Strecke 141213

Euch allen ein schönes Wochenende. Entschuldigt den etwas zu lang geratenen Text. Aber „zu lang“ scheint ja heute mein Thema zu sein …

 

 

16 Gedanken zu „Er sollte nicht so lang werden

  1. Lieber Rainer,
    Deinen „Ausrutscher“ verkraftest du hoffentlich ohne Probleme. Es wäre ja sehr motivierend.
    Trotzdem weiß ich ja, dass du vernünftig genug bist, in absehbarer Zeit solche Eskapaden zu unterlassen. 🙂
    Dann haben wir dich doch recht bald wieder vollständig genesen auf der Piste.
    Dass es schön war, daran habe ich gar keine Zweifel.
    (Und ja, verabreden ist bei dem nasskalten Wetter durchaus hilfreich…)
    Liebe Grüße und ein schönes Advent-Wochenende,
    Birthe

    • Liebe Birthe,

      danke Dir! Jetzt wird es wirkich spannend zu sehen, bzw. zu spüren, wie ich eine solche Belastung verkrafte. Bislang fühlt es sich gut an.

      Ich habe ja über den Winter Zeit, um wirklich wieder fit zu werden. Dann werden wir ganz unbeschwert wieder gemeinsam längere Runden drehen können.

      Liebe Grüße, Euch auch ein schönes Wochenende!
      Rainer 😎

  2. Lieber Rainer,

    da scheint irgendwo ein Teufelchen in Deiner Erinnerung die Kilometerangaben verändert zu haben 😉 Hauptsache Du hast keine Beschwerden und der Lauf war für Dich dennoch angenehm 🙂

    Salut
    Christian

    • Lieber Christian,

      ja, ich habe mit dem kleinen Teufelchen schon geschimpft. So einen Streich darf es mir so schnell nicht wieder spielen.

      Aber es war schön. Schön lang und schön. Es fühlt sich noch immer gut an.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

  3. Hallo Rainer, ich kann deine Euphorie verstehen, die dich zu diesem Artikel veranlasst hat.
    Herrlich, wenn es wieder läuft!

    • Margitta hätte geschrieben „es läuft mich“. Aber das war auf dem langen Anstieg am Ende nicht ganz so 😉

      Es läuft wieder! Tatsächlich!

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

  4. Ein bisschen Sicherheit werden Dir die vergangenen Läufe schon gegeben haben, so dass das Wagnis sicher schon etwas überschaubar war. Ich drücke die Daumen, dass die beiden nächsten Tage das bestätigen.

    Liebe Grüße
    Volker

    • Lieber Volker,

      ich war zwar kurz am zweifeln, ob ich das wirklich durchziehen soll. Aber der Körper hat signalisiert, dass noch etwas geht. Schön!

      Danke Dir!

      Rainer 😎

  5. Lieber Rainer,

    schön dass es doch so gut gegangen ist – ich hoffe es kommen morgen keine böse Nachwirkungen!! Die Osteopathen sind doch die allerbesten, wenn es um solche Sachen geht – ich denke du bist auf jeden Fall auf dem richtigen Weg!! 😀

    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,

      ich hoffe auch. Es fühlt sich aber bislang gut an. Etwas mitbekommen hat offenbar lediglich mein rechter Großzeh. Da pulsiert das Nagelbett etwas. Aber das wäre zu verkraften, wenn die Leiste nicht muckt.

      Wenn mein Osteopath das hinbekommen hat, dann bekommt er von mir … ich lasse mir noch etwas einfallen.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

  6. Lieber Rainer, so ganz rund ist es noch nicht
    wie ich aus deinen Worten entnehmen kann
    aber du hast es versucht
    ich kenne das zu gut
    wenn man ständig in sich hineinhört
    und hofft
    apropos hoffen
    hoffentlich hast du dich wirklich nicht übernommen
    wo du weise auf eine Fortsetzung mit den anderen verzichtet hast
    Viel Glück auch für dich !

    • Es wird, es wird, liebe Margitta. Du weißt, wie es ist, wenn die Signale des Körpers ständig überprüft werden. Mit der Zeit nervt das ein wenig. Aber es mahnt zur Vorsicht.

      Heute ist noch alles gut. Ich spüre keine negativen Nachwirkungen.

      Das stimmt hoffnungsvoll.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

  7. Lieber Rainer,
    soso, da hat also das KM-Teufelchen zugeschlagen. 😉
    Ich drück dir die Daumen, dass es dir nicht geschadet hat, mal über die Stränge zu schlagen, weil das wäre doch zu schade, wo du jetzt schon wieder so gut aufgebaut hast.
    Wünsch dir einen schönen Sonntag!

    • Danke Doris,

      der Sonntag war bislang sehr angenehm. Keine Nachwirkungen von dem langen Lauf gestern. Dafür aber ein zweistündiger Spaziergang bei Sonnenschein. Wunderbar!

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

  8. Männer …. 😉

    Lieber Rainer, da hoffe ich sehr, dass alles gut gegangen ist und keine bösen Nachwirkungen die Freude über einen schönen langen Lauf trüben. Auf jeden Fall liest sich dein Bericht verheißungsvoll. 😎

    Einen Osteopathen hast du nun also. Ich bin gespannt – wenn seine Behandlung nachhaltig hilft, wäre das ja mal eine Anlaufstelle, falls es bei mir auch mal wieder zwickt und zwackt. Aber da ich momentan fast gar nicht zum Laufen komme (und auch wenig Lust dazu habe), entsteht auch kein entsprechender Behandlungsbedarf. 🙄

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Keine Lust zum Laufen? Kann ich mir gar nicht vorstellen. Hoffentlich sind da nicht noch nachwirkungen von Bekond, die Dir die Lust verleiden.

      Das mit der Osteopathie scheint tatsächlich eine gute Sache zu sein. Bislang fühlt es sich jedenfalls ziemlich gut an.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

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