Sonne!!!!!

IMG_4551Was für ein Tag! Sonne satt. Aber ich war vernünftig und bin nicht schon wieder gelaufen. Auch wenn es in den Füßen juckte. Stattdessen ein schön langer Spaziergang. Natürlich mit der neuen Kamera. Wieder ein wenig ausprobiert. Nicht alle Experimente sind geglückt. Aber keine Sorge, hier zeige ich nur das, was die Vorauswahl überstanden hat.

IMG_4587Ich kann mit nicht überwinden, das in Briefmarkenform zu tun. Deshalb müsst Ihr eben mal wieder scrollen. Ich hoffe, es wird nicht zu viel. Wer sich all das mal selbst ansehen will: es ist der Start des Saar-Hunsrück-Steigs in Trier.

IMG_4552Wie es mir geht? Prächtig, mal abgesehen von dem leichten Kratzen im Hals und einem etwas schmerzenden Nagelbett am Großzeh. Aber … Die Leiste gibt Ruhe! Macht keinen Mucks, kein Störsignal, alles ruhig. Ich kann das gar nicht recht glauben nach dem ungeplant langen Lauf gestern. War tatsächlich eine verdrehte Hüfte Ursache für meine Probleme? Abwarten und weiter hoffen. Daumen drücken, bitte!

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Funkstörung statt Funkstille

DCIM100GOPRODas war er also: drei Wochen Urlaub. Funkstille auf meinem Blog. Die soll nun eine Ende haben. Funkstörungen werden allerdings bleiben, da ich leider nicht wie erhofft auch körperlich komplett erholt zurückkomme. Leider war ein Testlauf gestern alles andere als erfolgreich. Und so werde ich wohl in der kommenden Woche nicht um einen Arztbesuch herumkommen, um diese vermaledeiten Leistenschmerzen abklären zu lassen.

DCIM100GOPRONur zwei Läufe in vier Wochen. Keine Probleme bei normalen Aktivitäten. Radfahren, Paddeln, Wandern, Schwimmen, Faulenzen, Lesen – alles ohne Probleme. Nur wenn es ans Laufen geht, zieht es nach ein paar Hundert Metern in der Leiste und wird dann auch nicht besser …

11-DSC02813Mein erster Blogeintrag sollte eigentlich rundum positiv sein. Er sollte von einer wunderbaren Zeit erzählen. 14 Tage Campingurlaub im Spessart, bei nahezu idealem Sommerwetter. Ausflüge nach Frankfurt, Lohr, Karlstadt, natürlich auch in meine Heimatstadt Würzburg. Viel Wald, fränkische Kulturlandschaft mit Getreidefeldern und Weinbau. Jede Menge Burgruinen, kulinarische Genüsse und Treffen mit der fast kompletten Verwandtschaft, in kleinen Mengen dosiert, so dass es Spaß gemacht hat.

1-DSC03003Und dann in der letzten Woche wieder das einleben Zuhause in Trier. Etwas Gartenarbeit, Treffen mit Freunden, eine fantastische Wanderung in den Steillagen des  Bremmer Calmont. Auf dem steilen letzen Bergab-Teil nach fast vier Stunden, da hatte ich dieses Ziehen wieder gespürt. Der kurze Testlauf zwei Tage später im Tiergartental war dann ein Desaster und vermiest mir das Ende des Urlaubs ordentlich.

Aber zumindest hat der Start an einem Sonntag den Vorteil, dass ich mich nicht gleich wieder voll ins Redaktionsgetümmel werfen muss. Ruhig wird es dennoch nicht, denn auch dem Verlagsgelände ist einer dieser inzwischen legendären Kinderflohmärkte. Da wird eine Stimmung herrschen wie im überfüllten Freibad.

DCIM100GOPRODas hatte ich an einigen Tagen auch in Gemünden am Main, wo unser diesjähriges Urlaubsfamilienbild entstanden ist. Nach dem Motto: komplett untergetaucht!

Fotos habe ich natürlich jede Menge mitgebracht. Viel zu viele, um sie hier zu zeigen. Aber zumindest eine Auswahl stelle ich mal ein.

09-DSC02765 10-DSC02782 08-DSC02753 12-DSC02828 13-DSC02831 14-DSC02842 15-IMG_0160 DCIM100GOPRO 04-DSC02597 05-DSC02610 06-DSC02639 07-DSC02656 2-DSC02969 4-DSC02925 3-DSC02963

Von Fliehkräften, fliegenden Brillen und schönen Ausblicken

Hoffnung – so langsam scheinen sich meine Fußsohlen von dem Stress zu erholen. Gestern war nur noch links etwas zu spüren. Heute keine Anzeichen von Schmerzen. Gelaufen wird dennoch nicht. Schonprogramm. Und ein Ausflug zum Triolago, der künstlich angelegten Seenlandschaft bei Riol.

DSC01753Unser Jüngster streikt, als nur mit Karin und dem Großen – er ist mir inzwischen ordentlich über den Kopf gewachsen, der dort Wasserski fahren will.  Der jung gebliebene Vater lässt sich natürlich überreden, auch in den Neoprenanzug zu schlüpfen und auf der Seilzuganlage sein Glück zu probieren. Dumm nur, dass die Kontaktlinsen nicht eingesetzt sind. Brille also provisorisch mit einer Schnur gesichert, damit mein Nasenporsche nicht zum U-Boot wird. Der nette Mensch vom Skiverleih hat offenbar auch Sorge und organisiert noch einen kleinen Schwimmkörper, den ich in die Schnur einflechte.

DSC01724Zum Glück, denn am Ende der Runde ist eine fies-eckige Kurve, die Papa Neubert aus den Ski katapultiert – und die Brille vom Kopf … Kurze Panikattacke . Wo ist meine Brille. Dann entdecke ich den Schwimmer sechs Meter entfernt. Einige sorgenvollen Schwimmzüge … Glück gehabt. An einem Bügel meiner Sehhilfe war der Knoten fest genug. Schnell das teure Stück sichern und dann nichts wie an Land …

DSC01733Auf ein weiteres Experiment mit nicht beherrschbaren Fliehkräften verzichte ich. Raus aus dem Ganzkörperkondom. „Bis zur Kurve hat das doch ganz gut ausgesehen“, versucht mich der jungdynamische Starthelfer der Anlage aufzumuntern. Das Versprechen, irgendwann mit Kontaktlinsen wiederzukommen – vermutlich auch die Sonne, die nun einige strahlen durch die Wolken schickt – motiviert den Chef offenbar zu einer guten Tat. Er drückt mir einen Gutschein für zwei Freistunden Wasserski in die Hand. Danke. Meine Jungs wird das freuen.

DSC01741Und während der Eine zu Hause schmollt, dreht der andere voller Energie und Begeisterung Runde um Runde. Na wenn da nicht bald mal die Ski durch ein Wakeboard ausgetauscht werden, würde mich das wundern.

DSC01742Nach eine Tasse Kaffee mit meinem Schatz, machen wir uns für eine gute Stunde zu einem Spaziergang auf. Der „Klettersteig“ von Riol verspricht eine famose Aussicht auf das Moseltal bis Schweich. Der Aufstieg ist sehr steil und in zwei Passagen sogar mit Drahtseilen gesichert. Ein wirklicher Klettersteig ist er trotz seiner Schönheit aber nicht. Zumindest wird diese Bezeichnung Eltern davon abhalten, mit zu kleinen Kindern den Steig zu gehen.

DSC01748Die gesamte Anlage ein Riol hat sich inzwischen übrigens sehr gemacht. Ein wunderbar und ruhig gelegener Campingplatz mit Badesee, Sommerrodelbahn, Wasserskianlage, Kunstrasen-Minigolfanlage (besonders schön!) und demnächst auch noch ein Fußball-Golfplatz. Die Bäume in der gesamten Anlage sind inzwischen schon ordentlich gewachsen. In ein paar Jahren wird es auch dort Schatten geben, wo er derzeit noch fehlt. Aber Schatten braucht bei diesem Frühling eh niemand …

Hier noch einige Fotos – ja, es funktioniert wieder – von einer kurzen, aber schönen Wanderung.

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Eidechsenwetter

Wieder hat es die Sonne geschafft. Der Wind blies zwar noch eisig. Aber in den geschützten Ecken in den Weinbergen war es bereits so kuschelig, dass sich erstmals die Eidechsen aus ihrer Winterstarre befreiten und die Sonnenstrahlen genossen. So richtig auf Touren sind sie allerdings noch nicht gekommen. Sonst wäre mir das Bild des Tages sicher nicht geglückt.

DSC00453Gänse in Formation am Himmel. Auch die Bienen machten ihre ersten Rundflüge um ihren Stock. Viel zu naschen gibt es für sie allerdings noch nicht, auch wenn im Garten die Krokusse erste Farbpunkte setzen.

DSC00427DSC00430Wieder ein wunderschöner Spaziergang. Diesmal über den Petrisberg. Statt vieler Worte lasse ich die Bilder sprechen.

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Mal sehen, wie der erste Tag in der Redaktion wird.

 

Felsenpfad

9-DSC00412Wie gerne würde ich diesen Weg laufend zurücklegen. Aber gemächlich spazierend ist es auch nicht schlecht. Vor allem in Begleitung von Karin.

5-DSC00418Der Felsenpfad am Rand der roten Sanststeinfelsen über dem Stadtteil Pallien ist wirklich ein Muss für alle, die nach Trier kommen.

1-DSC00425Einigermaßen schwindelfrei muss man sein. Passieren kann aber nichts, da alles gesichert ist.

4-DSC00419Besonders an sonnigen Tagen wie heute – ein Hauch von Frühling in der Luft. – ist der aussichtsreiche Pfad, der auch Teil des Eifelsteigs ist, eine tolle Sache.

8-DSC00414Und der Untergrund ist in wesentlich besserem Zustand als vermutet. Wenig Matsch. Alles schön weich. Der Sandsteinsandboden im Weißhauswald ist sowieso ein Genuss für jeden Läufer.

7-DSC00416Den Besuch im Weißhaus sparen wir uns. Lieber danach ein heißer Tee zuhause.

2-DSC00423Ich war heute einige Stunden auf den Beinen – natürlichnicht nur im Weißhauswald. Das ist dann aber auch genug. Jetzt wird es Zeit, die Beine hochzulegen.

3-DSC00421Euch allen einen schönen Sonntag!

 

Schnee schnuppe(r)n

Der erste Tag, an dem ich das Gefühl habe, es wird besser. Weniger Schmerzmittel und dennoch weniger Schmerzen.

DSC00367Auch nach Trier ist der Winter noch einmal zurückgekommen und hat die Stadt am Morgen in ein weißes Kleid gehüllt. Der Himmel flockt den ganzen Tag aus. Allerdings taut in den hellen Stunden mehr als hinzukommt.

DSC00366Ein Spaziergang muss heute möglich sein. Das hatte ich mir schon gestern vorgenommen. Die Decke soll mir nicht auf den Kopf fallen.

DSC00372Am späteren Nachmittag ist es dann soweit. Meine bessere Hälfte war schon schwimmen und streikt angesichts der stetig fallenden Flocken. Also werfe ich mich in wetterfeste Montur – unter die gelbe Jacke einen dicken Fleece – und stiefle los.

DSC00369Fast automatisch biege ich in Richtung Weinberge und Petrisberg ab.

DSC00374Schon nach wenigen Höhenmetern präsentiert sich der erste Weg komplett schneebedeckt. Ich habe extra die Kontaktlinsen eingesetzt, um die weißen Flocken im Gesicht spüren zu können. Und in den Augen, ganz wie Volker, der ungefähr zur selben Zeit in Oldenburg unterwegs sein muss. Der Gute widmet mir seinen Lauf! Danke dafür! Dass es ihm Spaß gemacht hat, nehme ich mal als gutes Omen.

DSC00375Und nun freue ich mich über die vielen schönen Sinneseindrücke, die mich immer wieder meine kleine Kamera zücken lassen.

DSC00378Hinauf, am Turm Luxemburg vorbei.

DSC00379Für den Schneemann musste schon ganz schon reichlich das Umfeld abgekratzt werden.

DSC00381Das Wasserband präsentiert sich wie fast immer irgendwie surreal, fast wie aus dem Katalog für fleißige Bausparkassenkunden.

DSC00382Auf dem Panoramaweg vorbei an der Windharfe, dann wieder auf sich windenden Pfaden hinunter ins Tal.

DSC00383DSC00386DSC00380Das ist mein Laufrevier. Der Schnee zeichnet die vielen Varianten weiß in die Hänge.

DSC00387DSC00388Auch wenn schon eine Stunde vergangen ist. Ich kann nicht widerstehen und biege in meinen Lieblingstrail ab.

DSC00389Das schönste Naturkunstwerk des Tages präsentiert sich in Form einer von Schneeflaumen bedeckten Flechte.

DSC00391Und auch meine Lieblingseiche am Petrisberg präsentiert sich einmal mehr beeindruckend.

DSC00392Ein Spaziergang von 90 Minuten … Schön war’s! Hoffentlich nicht zu viel. Bald werde ich hier wieder flotter unterwegs sein.

 

Atemlos auf dem Dach der Welt

Laufen geht noch immer nicht. Aber an so einem verregneten Tag lassen sich ja zumindest Texte schreiben, die sich um das Laufen drehen. Die Reportage, die in den nächsten Tagen in dieser oder in etwas gekürzter Form im Trierischen Volksfreund erscheinen wird, will ich den Freunden und Gästen meines Blogs nicht vorenthalten.

Morgenlauf mit Fernsicht.

Atemlos auf dem Dach der Welt

Der Panoramaberg Muottas Muragl bietet nicht nur für Wanderer ganz besondere Erlebnisse

Wie ist es, in einer Höhe über 2500 Metern zu laufen?  TV-Redakteur und Flachland-Läufer Rainer Neubert wollte die Antwort wissen. Er nutzte dazu einen Aufenthalt im Oberengadin in der Schweiz.

Die ungläubigen Worte meines Freundes klingen mir im Ohr, als mich mein Smartphone zur programmierten Zeit aus den Träumen von sonnenüberfluteten  Berggipfeln und tiefen Bergseen zerrt. „Du willst morgen früh tatsächlich hier oben laufen?“, hatte er mich am Abend gefragt.  Soll ich wirklich? Der innere Schweinehund macht sich kurz bemerkbar, hat aber keine Chance. Denn der Blick aus dem Fenster registriert wolkenlos blauen Himmel. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Es ist der Beginn eines Prachttages

Zehn Minuten, zwei Kekse  und zwei Glas Wasser später stehe ich auf der Terrasse des Berghotels Muottas Muragl, das in dieser Nacht meine Unterkunft war. Es ist frisch, um die 10 Grad, windstill. Das Langarmshirt wird als Kälteschutz genügen. Über dem Tal mit seinen Seen liegt noch Frühnebel. Hier auf 2456 Metern Höhe, am Ende der 105 Jahre alten Standseilbahn, ist das kein Thema.

105 Jahre alt: Die Standseilbahn auf den Muottas Moragl.

Ich weiß, welche Tour ich in Angriff nehme. Während der Wanderung gestern und auf der Karte hatte ich mir das angeschaut. Da waren wir zu der 2700 Meter hoch gelegenen und nach dem dort 1899 verstorbenen Maler Giovanni Segantini  benannten Hütte aufgestiegen. Der Weg über die sauber verlegten Steinplatten durch ein mächtiges Geröllfeld ließe sich auch laufen. Susanne Bonaca und Angelo Baggenstos, sie bewirten die Hütte, bekommen dort in der Regel allerdings Besuch von Gästen in schweren Bergstiefeln. Für Läufer ist diese Höhe eine zu große Herausforderung.

Susanne Bonaca hat als Wirtin der Segantinihütte viel zu bieten: leckere Spezialitäten und immer gute Laune.

Von der Segantinihütte 400 Höhenmeter hinunter zur Alp Languard und auf dem Panoramaweg an der Bergflanke entlang zurück zum Muottas Muragl. Das war gestern im zügigen Wandertempo schon reichlich schweißtreibend. Als Laufrunde wäre das allerdings auch mehr als doppelt so lang als das, was ich mir für diesen Morgen vorgenommen habe: Vier Kilometer zum 2713 Meter hoch gelegenen Lej Muragl und wieder zurück. Der höchste Punkt der Strecke liegt auf 2750 Meter, also fast anstrengende 300 Meter höher als mein Ausgangspunkt. Das hat der Blick auf die Wanderkarte verraten.

Aber heute Morgen gibt es kein Kneifen: Auf dem Wanderschild, das den Weg weist, ist zu dem kleinen See eine Wanderzeit von 1,5 Stunden angegeben. Die Lauf-Uhr bleibt aus, soll nicht stören. Nur das Smartphone darf meine morgendliche Heldentat anhand der aufgezeichneten Stelliten-Daten dokumentieren…

Und los geht’s.  „Ich werde gehen, wenn es zu steil wird“, spreche ich mir Mut zu angesichts des Anstiegs, der das Aufwärmen zum Kinderspiel werden lässt. Was macht die Atmung? Geht schnell. Der Puls? Geht schneller. Einen Pulsgurt trage ich auch bei Läufen im Flachland und in den Weinbergen bei Trier nicht.  Hier in den Alpen käme er sicher an seine Belastungsgrenze. Also: Tempo rausnehmen und nicht ans Limit gehen. Apropos. Auf dem zweiten Kilometer wird es einfach zu steil zum Laufen. Flottes Schritttempo also, zumindest zügiges …

Murmeltiere pfeifen hell, huschen von den Hügeln am Hang links. Pfeifen die etwa den seltsamen Typen in schwarzen Laufklamotten aus?  „Warum läufst Du eigentlich im Schatten?“, fragt ich mich mein zweites Ich angesichts der zunehmend vom frühen Sonnenlicht überfluteten Hänge rechts von mir. Die Steine, Felsstufen und Tritte auf dem Weg vor mir liegen noch im Düstern. Endlich steigt der Pfad flacher an. Es geht sogar ein Stück bergab! Der Puls beruhigt sich. Ich wusste doch, dass Laufen auch in dieser Höhe Spaß macht!

Der Lej Moragl am frühen Morgen.

Und da ist endlich  das Blitzen der Sonne, die über den Bergkamm spitzt. Der See liegt vor mir, spiegelglatt reflektiert er die mächtigen Gipfel von Piz Languard und Piz Muragl. Ich bleibe stehen, staune, lausche der Stille. Atemlos. Jetzt nicht mehr nur wegen des Laufens.

Ein Flachlandläufer am Ziel seiner (Tor)Tour.

Natürlich habe ich wie immer meine kleine Kamera dabei. Diese Momente wollen dokumentiert werden … Der Weg zurück ist leicht. Denn was zuvor bergauf so schwer zu bezwingen war, führt nun bergab. Das Tal liegt vor mir. Die Sonne scheint. Welch ein Panorama! „Verliere nur nicht ganz den Blick für den Weg“, warnt meine innere Stimme vor möglicherweise fatalen Fehltritten. O.k. – ab und an lohnt es sich stehenzubleiben. Laufen auf dem Dach der Welt – was für ein Genuss!

Unvergleichliche Lage: Das Berghotel Muottas Morgal.

Nach 80 intensiven Minuten, acht Kilometern und insgesamt jeweils 720 Höhenmetern rauf und runter – auch ein Berglauf kann ganz schön wellig sein – stehe ich wieder auf der Terrasse des Berghotels. Der Nebel im Tal hat sich fast verzogen. „Du hast es tatsächlich getan!“, wird mich gleich mein Freund am Frühstückstisch begrüßen, sobald er mein Dauergrinsen sieht. Ja, ich habe es getan. Es wird nicht mein letzter Lauf in den Bergen gewesen sein.

 

Extra: Muottas Muragl

Der Muottas Muragl ist ein Ausflugsberg in  einer Höhe von 2453 Metern über dem Meer im Oberengadin, Schweiz. Er liegt auf dem Gemeindegebiet von Samedan und bietet einen weiten Ausblick über das Oberengadin mit der Engadiner Seenplatte (Silsersee, Silvaplanersee und St. Moritzsee).

Der Muottas Muragl ist zu Fuß oder mit der Standseilbahn von Punt Muragl (zwischen Samedan und Pontresina) aus erreichbar. Sie hat eine Streckenlänge von 2199 Metern und überwindet 709 Höhenmeter. Sie ist die älteste Bergbahn im Engadin.

Das 2010 komplett erneuerte Romantik Hotel Muottas Muragl wirbt damit, die schönste Aussicht des Oberengadins zu bieten. Quelle: Wikipedia

www.muottasmuragl.ch

Wida dahoam!

So schnell vergeht eine Woche! Der Nussbaum im Garten hat ganz schön Blätter gelassen. Herbstzeit! Auch in den Lenker Alpen, wo die Kühe mittlerweile aus der Höhe in die erste Etage umgezogen sind. Die Sommerweiden dürfen nun noch einmal bis zur letzten Heuernte ruhen. Und dann wird der erste Schnee die schöne Bergwelt in eine weiße Wunderwelt verwandeln.

Fast surreal: die Engstligenalp

Glück hatten wir mit dem Wetter, das sich nur an zwei Tagen von der nicht so sonnigen Seite zeigte. Dass sich der Wetterumschwung zur neuen Woche mir starkem Wind ankündigte, hat mir allerdings leider eine kleine Erkältung beschert. Der Hals kratzt, und irgendwie wird mir heute nicht richtig warm. Der eigentlich geplante Montagslauf mit dem Lauftreff fällt also aus. Vielleicht klappt es ja am Mittwoch.

Ich darf diese Woche noch Zuhause bleiben. Herbstferien in Rheinland-Pfalz. Der Garten freut sich auf die Endvegetationsbehandlung. Und es gibt auch noch allerlei Schriftkram, der zu erledigen ist.

Kurzer Lauf im Färmeltal

Neben Wanderungen, Schwimmbad und Klettersteig hat es in der vergangenen Woche Aktivurlaub immerhin noch zu zwei Alpinläufen gereicht. In den Bergen ist jeder Lauf ein besonderes Erlebnis, der nicht im Tal bleibt. Prädikat: Unbedingt empfehlenswert!

Leider konnte ich nur den kurzen der beiden Läufe aufzeichnen. Wer sich also einen Eindruck vom Färmeltal machen will:

Färmeltallauf

 

An solchen Tagen …

  • regnet es in strömen
  • was nicht schlimm ist
  • die Beine wollen eh noch Ruhe
  • dann eben Rumpfstabi vor dem Fernseher
  • und Erinnerungen an ein paar tolle Tage
  • in der Schweiz…

Wunder des Südens – Côte d’Azur und Languedoc

Drei Wochen mit dem Zelt im Süden Frankreichs … Da lässt sich viel berichten. Wo also die Schwerpunkte setzen? Einen Versuch ist es wert. Und zumindest eine Auswahl von Fotos soll vermitteln, wie lohnenswert ein Besuch bei den Nachbarn ist. Zumal sich die Einstellung zu den Gästen aus Deutschland sich in den vergangenen 25 Jahren extrem zum Positiven geändert hat. Auch in Südfrankreich – und dort nicht nur an der traumhaft schönen, aber sehr teuren Côte d’Azur – wurde der Wert des Tourismus erkannt.

So wird dort inzwischen fast überall auch Englisch gesprochen. Ressentiments gegen Deutsche sind mir nicht begegnet. Auch die Infrastruktur wurde deutlich verbessert. Selbst kleine Straßen verfügen nun über einen guten Belag. Wanderwege sind ausgezeichnet und regelmäßig mit Hinweisschildern versehen, die auch Entfernungen angeben. Da verirren sich auch Läufer nicht mehr. Und auf den Märkten trifft man immer wieder Menschen aus dem Norden, die ihren Lebensmittelpunkt vor einigen Jahren nach Südfrankreich verlegt haben. Alle schwärmen davon, sie würden nie wieder in die Kälte zurückkehren. Angesichts des Wetters, das in den vergangenen drei Wochen in deutschen Landen an der guten Laune zehrte, ist das zumindest nachvollziehbar.

Aber nun zu den konkreten Ereignissen und Naturwundern, die meine Familie und mich in drei Wochen so fasziniert haben.

Bei strömendem Regen, der erst kurz vor Marseille aufhörte, geht es von Trier nach Hyères, einem Städtchen am westlichen Ende der Côte d’Azur, das durch seine Palmenzucht bekannt ist. Der Stadt vorgelagert sind die Îles de Poquerolles, die gleichnamige Hauptinsel ist der Ort, an den der Postbeamte im Film „Willkommen bei den Sch’tis“ unbedingt versetzt werden wollte, allerdings wegen seines komischen Dilletantismus ganz im Norden der Republik landete.

Der wichtigste Fährhafen nach Poquerolles liegt auf der Presqu’ile de Giens. Und genau dort – 200 Meter vom Hafen entfernt – haben wir in der ersten Woche unser Zelt aufgeschlagen.Vor – oh Schreck – 27 Jahren war dieser Zeltplatz meine erste Begegnung mit Frankreich. Er liegt noch immer sehr schön, bietet allerdings natürlich viel mehr Komfort als damals.

Gleich nebenan ist eine Taucherbasis, denn die steinige Küste ist ein Paradies für Schnorchler und ihre mit Sauerstoffflasche versehenen Kollegen. Winzige Strände unterbrechen immer wieder die schroffen und scharfkantigen Felsklippen. Das Schiefergestein schimmert in der Abendsonne golden, weshalb die Poquerolles auch Îles d’Or genannt werden. Ein Traum!

Ein Muss ist bei einem Aufenthalt auf der „Fastinsel“ von Giens der „Sentier littoral“. Der Fußpfad am Rande der vom Meer umspülten Küste ist zwar sehr anstrengend zu gehen – ich bin ihn im vergangenen Jahr auch schon einmal gelaufen. Seine Einsamkeit und die Ausblicke machen ihn allerdings zu einem besonderen Erlebnis.

Läuferisch beschränke ich mich in diesem Jahr auf den deutich kürzeren östlichen Teil des Weges. Dafür nehme ich nun die beiden schmalen Landzungen unter die Laufschuhe, die Insel und Festland verbinden. Dazwischen befinden sich flache Becken, in denen Salz gewonnen wird.

Von näheren Details zu den heißen Rennen mit meinen Jungs auf der nahen Kartbahn sehe ich hier ab. Jedenfalls ist auch in Hyères reichlich für Bespaßung gesorgt: Klettergärten, Freizeitparks, Reitschulen, etc. Weniger Spaß macht allerdings der Autoverkehr im nahen Toulon. Der Markt dort ist einen Besuch wert. Wer allerdings eine Dachbox auf dem Auto hat und deshalb nicht in die Parkhäuser kommt, muss auf der Suche nach einem Parkplatz gute Nerven haben…

Nach einer Woche mit viel Sonne, einigen windigen Tagen, vielen Unternehmungen, Wanderungen, einem Lauf, Strandstunden und einer neuen freundschaftlichen Verbindung nach Berlin geht es ein Stück zurück in Richtung Norden und dann nach Westen ins Languedoc. Das malerische Städtchen Anduze trägt den Beinamen „Porte des Cevennes“ – treffend, denn an dieser Stelle verändert sich die Landschaft dramatisch. Die fruchtbare Ebene – Weinbau ist hier ein großes Thema – wird abgelöst von bewaldeten Hügeln, deren höchster mit 1565 Metern der Mont Aigoual ist.

Dieses Land atmet Geschichte. Es war während der Glaubenskriege das Rückzugsgebiet der Hugenotten, der französischen Protestanten, die sich hier im 16. und 17. Jahrhundert gegen die Verfolgung durch die katholischen Könige wehrten. Wie gut es sich hier verstecken lässt, wird schnell klar.

Eine der spektakulärsten Verstecke war sicher eine große Höhle in den Felsen oberhalb des Cirque de Navacelles. Der Anblick dieses riesigen, einem Stadion gleichenden, 400 Meter tiefen Talkessels macht sprachlos. Das Flüsschen Vis hat ihn in das Kalkgestein gefräst, bevor es sich einen anderen Weg suchte.Der im Örtchen Navacelles sprudelnde Wasserfall ist ein traumhafter Platz für ein ausgedehntes Picknick, auch wenn das Wasser mit gerade mal 13 Grad zu kalt für ein ausgiebiges Bad ist.

Anders ist das bei der Cascade de Sautadet, einen Steinwurf entfernt von dem Örtchen La Roque-sur-Cèze. Hier werden auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz an der alten Brücke zwar Flyer verteilt, auf denen ausdrücklich das Badeverbot und die Gefahren vermerkt sind, die  Wasserlöcher, -fälle, -rutschen und Felsen bergen. Die Prozession der mit Badesachen bepackten Ausflügler in Richtung Cascade lässt allerdings keinen Zweifel, dass diese Warnung ignoriert sein will.

Und tatsächich ist kein Felsen zu hoch, um nicht als Startplatz für spektakuläre Sprünge in das klare Wasser der Cèze zu dienen. An den Wasserfällen und Strudellöchern ist allerdings tatsächlich Vorsicht geboten. Wie stand es doch in dem Flyer? Fast 30 Tote habe es in den vergangenen 20 Jahren dort gegeben. Aua!

Kanufahrer müssen hier in jedem Fall ihre Boote einige Hundert Meter weit tragen. Wobei wir bei einem anderen Thema wären. Denn auch auf dem Wasser lässt sich die späktakuläre Landschaft der Cevennen genießen. Die bekanntesten Flüsse sind sicher Tarn und Gardon. Wir probieren es mit dem Hérault, der ebenfalls eine idyllische Schlucht in die Landschaft gefräßt hat. Da es in der Woche davor an zwei Tagen geregnet hat, so wird uns gesagt, ist der Wasserstand so gut, dass die komplette für Paddler freigegebene Strecke befahren werden kann. Unkaputtbare Kanus und Kajaks sorgen dafür, dass mancher Kontakt mit Kies und Felsen ohne Folgen bleibt.

Allerdings wird dieses Abenteuer etwas getrübt, als meine Kamera baden geht … Nach drei Trockentagen funktioniert sie wieder – leidlich, mit einigen Tücken. Aber zumindest sind alle Fotos noch da. Und da macht es dann auch schon fast nichts mehr aus, als das gute Stück auch noch bei anderer Gelegenheit aus freiem Fall die Härte der Felsen im Naturbad unseres Campingplatzes in Anduze testet …

Auch dieser Felsverhau mit Schwimmmöglichkeit ist immer wieder eine Reise wert. Wenn dann über die 300 Meter entfernte Brücke das Museumsbähnchen dampft und stampft, ist die Idylle perfekt.

Die Bahn hält auch an der Bambouseraie de Prafarance, einem 35 Hektar großen Park mit tropischem Bambuswald, Riesenbäumen und Chinesischem Garten der Extraklasse. Der bis zu 20 Meter Hohe Bambus, der in diesem klimatisch besonders begünstigten Gebiet wächst, ist  beeindruckend. Nahezu 200 verschiedene Arten soll es in dem Gelände geben. Unbedingt sehenswert!

Auf meinen vier Lauftouren rund um Anduze kann ich auch sehen, dass der Riesenbambus nicht nur in dem Park wächst. Die Luft am Tor der Cevennen ist geschwängert vom Duft des wilden Thymians, der sich mit den Gerüchen der anderen Pflanzen zu einer ganz besonderen Mischung vereint. Das Zirpen der Zikaden gehört zum Süden Frankreichs wie der Rotwein. Wobei auch Rosé und Weißweine aus dem Languedoc nicht zu verachten sind.

Unvermeidlich bei Lauftouren sind immer wieder sehr schwierige Geröllstrecken, die hohe Konzentration erfordern. Der eine Sturz endet zu Glück sehr glimpflich. Ebenso unvermeidlich sind Abschnitte, die auf reichlich befahrenen Landesstraßen gelaufen (oder gewandert) werden  müssen. Dennoch war jeder Lauf ein Erlebnis – und dank Trinkrucksack und topografischer Karte verdurste ich nicht und vermeide es, mich zu verlaufen.

Lang ist er nun geworden, dieser Bericht. Und noch so viel wäre zu schreiben. Von den Nachtmärkten in Anduze, vom großen Feuerwerk zum Nationalfeiertag, vom Abendspaziergang mit Piquenique über den Dächern der Stadt, von herrlichem Baguette, Käse, Oliven und den daraus gewonnenen aromatischen Tapinades, von Schlangen im Fluss, Koikarpfen, Riesenforellen, unvergleichlich leckeren Tomaten, die vom Aussehen dem Herzen eines Ochsen ähneln und deshalb auch so heißen. Und von leckeren Hähnchen vom Spieß „avec beaucoup de sauce“. Die Blütenpracht am Meer und in den Bergen wäre eh einen eigenen Bericht wert …

Aber ich will es zunächst dabei belassen und hoffe, nicht zu sehr gelangweilt zu haben. Aber die Wunder des Südens lassen mich einfach ins Schwärmen kommen. Dass es auf dem Rückweg ab Lyon in Richtung Norden wieder geregnet hat, nach drei Wochen Sonnenschein, soll nur am Rande erwähnt werden 😉