39:06

Echternach ist gerockt. Danke an Jens, der für Daniel und mich den Hasen gemacht hat. Holger hat mir gerade die offizielle Zeit gepostet. 39:06! Das ist doch eine geile Zeit. Sorry für diese nicht ganz feine Ausdrucksweise. Aber das muss sein.

Bericht, Fotos und Ergebnisliste gibt es bald auch auf www.volksfreund.de/laufen

Mehr als eine „geile Meile“

Das große Ziel ist erreicht, der Hamburg-Marathon Geschichte. Danke an alle, die mich mental unterstützt, Daumen gedrückt, Mails oder SMS geschickt oder auf Facebook gepostet haben!

Gestern Abend nach der Ankunft in Trier bei einem lockeren Lauf die schmerzenden Beine gelockert, Fotos gesichtet, Zeiten verglichen.

Heute dann nochmal den Lauf bewusst nachempfunden. Das funktioniert bei mir am besten beim Schreiben. Hier das Ergebnis:

Mehr als eine geile Meile – Hamburg Marathon 2012

„Warum geht das hier so langsam?“ Für die Reeperbahn, die „geile Meile“, ist kaum ein Blick übrig, unmittelbar nach dem Startschuss für den Hamburg Marathon 2012. Zu groß ist auf dem ersten Kilometer das Getümmel im Pulk der Läufer. „Nur niemandem auf die Füße treten – und möglichst rasch das geplante Tempo erreichen“, ist der nächste Gedanke. Die Anfeuerungsrufe der Zuschauer erreichen noch kaum meine Ohren.

Block E - Start aus der Boxengasse.

Mein Ziel ist ambitioniert: 13 Wochen mit intensiver Vorbereitung sollen eine persönliche Bestzeit möglich machen. Mindestens 9 Minuten schneller als im vergangenen Jahr in Stockholm: 3:15 Stunden. Darauf waren Intervalltraining, Tempodauerläufe, Longjogs und all‘ die Lauf-ABC-, Koordinations- und Kräftigungsübungen abgestimmt, die mir mein persönlicher Laufcoach Jens Nagel in jeder Woche in detailliert und immer anspruchsvollere Trainingspläne geschrieben hatte.  Wenn der nicht so ein netter Kerl wäre, hätte ich vermutet, dass er dabei eine diebische Freude verspürt haben muss – sadistisch angehaucht. Aber Jens ist ein netter Kerl. Und so war es einfach nur, dass zum Beginn des Trainings die Temperaturen bei -15 Grad lagen und so mancher anstrengende Lauf zu früher Morgenstunde bei Regen absolviert werden musste.

4:35 Minuten. Das ist die magische Zahl für jeden der kommenden 42,195 Kilometer, wenn ich meine Zielzeit erreichen will. Da allerdings Verzögerungen an den Verpflegungsstellen und auch mindestens eine Pinkelpause dabei eingerechnet sind, ist klar, dass in Wirklichkeit das Tempo nicht unter 4:30 Minuten pro Kilometer liegen darf.

Slalom. Wie bei allen Stadtmarathons gleichen auch heute in Hamburg die ersten Kilometer einem Lauf in Schlangenlinien. „Ist Marcel noch da?“ Kurze Blicke über die Schulter und zur Seite beruhigen. Mein Laufpartner hält sich bei mir. Marcel ist zehn Jahre jünger als ich und ein großes Lauftalent. Bei der Renneinteilung auf langen Strecken fehlt ihm allerdings noch etwas Erfahrung. So haben wir vereinbart, dass ich das Tempo vorgebe und er mich auf den letzten Kilometern mitzieht.

Kilometer 1 in 4:45, gefühlt in 5:30. Kilometer 2 in 4:37. „Warum laufen in dieser Startgruppe nur so viele so langsam?“ Endlich werden die Abstände zwischen den Läuferinnen und Läufern etwas weiter. 4:23 Minuten für Kilometer 3. Gut so. Ich nehme zum ersten Mal bewusst die Anfeuerungsrufe der Zuschauer  wahr. Davon haben alle Bekannten geschwärmt, die schon einmal in Hamburg gelaufen sind. Einmalig sei die Stimmung dort.

Landungsdock für Aida-Kreuzfahrtschiffe

4:22 – 4:16 – „Marcel, wir sind zu schnell!“ Die Begeisterung am Streckenrand steckt an. Richtungswechsel. Es geht nun in auf der Elbchaussee in Richtung Landungsbrücke. Imposante Villen am Straßenrand. Kein Wohnviertel für Arme. Verpflegungsstelle, Wasser trinken. 4:35 – 4:27. Jetzt haben wir unser Tempo gefunden. Hier am Landungsdock für die Aida-Kreuzfahrtschiffe waren wir schon gestern Abend, als sich unsere Vierergruppe nach 7 Stunden Fahrt von Trier zum letzten kurzen Lauf vor dem Renntag in Sportklamotten geschmissen hatte. Bei diesen fünf Kilometern hatten Muskeln und Gelenke erschreckend gezwickt. Aber davon ist heute zum Glück nichts zu spüren. Auch bei Christoph und Rudi nicht, die einen Startblock hinter uns laufen und unter 3,5 Stunden bleiben wollen. Achim, unser Langer, war erst am späten Abend gekommen. Er hatte durch eine schwere Erkältung wieder Pech in der Vorbereitung. Der erste Marathon unter vier Stunden wird es für ihn deshalb nicht werden.

Aus der Hand geschossen. Stimmung an den Landungsbrücken.

4:25 – 4:22. „Zu schnell, Marcell!“, bremse ich meinen Partner. Wow! Welch eine Stimmung! Als die Breite Straße auf zu den Landungsbrücken hin abfällt, bietet sich uns Läufern ein gigantisches Bild. Zuschauer jubeln auf mehreren Ebenen, stehen auf Brücken, tanzen, feuern an zu Sambaklängen. Meine kleine Sony habe ich in der Hosentasche. „Einen Versuch ist es wert“, denke ich mir und nestle das Teil aus der Hosentasche. Schnappschüsse bei Tempo 4:21? Das geht, wird sich herausstellen. Und schnell noch ein Selbstportrait …

Noch ist die Stimmung blendend.

Zehn-Kilometer-Marke. Der Blick geht zu dem Bändchen auf dem Handgelenk, auf dem die geplanten Zwischenzeiten vermerkt sind. 46:13 steht da. „Wir sind 1,5 Minuten schneller“, signalisiere ich Marcel. Es läuft prima!

In dem weiß gekleideten Muskelmann vor mir erkenne ich Manuel. Ein ehemaliger Arbeitskollege, der inzwischen in Krefeld arbeitet. Wir hatten uns zum gemeinsamen Lauf verabredet, aber in dem Trubel vor dem Start nicht gefunden. „Geil hier, oder?“ – „Ja, super … Euer Tempo kann ich aber nicht mitgehen“. Einige hundert Meter später spricht mich Norbert aus Bernkastel-Kues an. „Du bist doch der Rainer, oder?“ – „Ja?“ – „Ich bin Norbert, der Kollege von Dirk Engel … Der hat mir gesagt, dass Du auch hier läufst!“ 3:20 Stunden wolle er laufen. „Viel Glück dabei!“ Dass er das geschafft hat, wird er mir später freudestrahlend im Ziel berichten.

Die Neue Philharmonie.

Wir laufen an der Neuen Philharmonie vorbei, die den Eingang zur Hafencity markiert. Das  futuristische Opernhaus ist wie dieses gesamte Riesenareal an der Elbe eine gigantische Baustelle.  Am späten Nachmittag werden wir uns das noch genauer ansehen. Aber bis dieser entspannte Teil unserer Kurzreise in den Norden der Republik beginnt, muss noch einiger Schweiß vergossen werden.

Ideal sind die Temperaturen an diesem Tag. Um die 15 Grad, wechselnde Bewölkung. Der Wind vielleicht etwas zu stark in einzelnen Passagen, in denen er von vorne kommt. Im Tunnel unter dem Hauptbahnhof ist das kein Problem. Die Rampe hinunter verhilft zur schnellsten Kilometerzeit:  4:13 Minuten. Ein Läufer kann es nicht mehr halten. Er entledigt sich seines Blasendrucks an die  Tunnelwand.

Am Jungfernstieg - Die Strecke führt rechts entlang der Außenalster.

Jungfernstieg. 15 Kilometer sind geschafft. 16 – 17 – so weit war ich in diesem Tempo auch schon im Training unterwegs. Ab jetzt wird es spannend. Entlang der Außenalster bläst der Wind heftig von vorne. „Erzähle mir doch etwas“, fordert mich mein asketischer Laufpartner auf. „Nö, mach selber“, gebe ich zurück. Ich habe etwas mit dem Magen zu kämpfen. Um 9 Uhr Start, um 7 Uhr Frühstück. Das Müsli hätte ich doch nicht essen sollen. Es wiegt nun ziemlich schwer.

Kilometer 19 – der Läufertross biegt ab nach Uhlenhorst. Hier drängen sich wieder lautstark die Zuschauer. Verpflegungsstelle bei Kilometer 20. O.k., ein Stück Banane wird schon gehen … jetzt nur nicht übergeben!

Halbzeit. 1:37:30 steht auf dem Armbändchen. Die Garmin zeigt irgendetwas um 1:34 Stunden an. „Marcel, wir sind gut dabei!“.  Stadtpark. Schöne Bäume. „Urinieren in der Öffentlichkeit ist eine Ordnungswidrigkeit“, so stand es in den Anmeldeformularen. Egal – 4:43 für Kilometer 23 – So viel Zeit muss sein.

Noch sieht es gut aus... Foto: firstfotofactory.com

Kilometer 25 – Alsterdorf. Für die Musik der NDR-Bühne habe ich kein Gehör. Spielen die überhaupt? Der Lauf im „Tunnel“ hat begonnen. Meine Gedanken wandern zum Mentalcoaching. Mit Jens, Petra, Dieter, Martin und Michael hatte ich in den Wochen vor dem Rennen drei Sitzungen bei Wolfgang. Im Grunde geht es dabei darum, sich positive Erlebnisse und bewältigte Probleme quasi bei Bedarf in Erinnerung zu rufen. „Gut“, rede ich mir zu, „dafür wird es jetzt langsam Zeit.“

Dem großen Piraten geht es auch nicht besser... Foto: firstfotofactory.com

4:24 – der Tempomat ist eingestellt. Verpflegungsstelle. Ein Gel wird gereicht. „Marcel, willst du?“ Ich ernte ein Kopfschütteln, stecke den Beutel in den Gürtel, verliere ihn fast sofort wieder. „Wir sind jetzt zwei Stunden unterwegs“, freut sich mein Begleiter, „das ist für mich eine psychologisch wichtige Marke.“ O.k. …

Kilometer 28, 29, 30 – „Werde ich dieses Mal Bekanntschaft mit dem Hammermann machen?“ Weg mit diesen Gedanken! Es wird Zeit für das mitgenommene Gel. Das hatte ich schon bei den langen Läufen getestet, lässt sich auch ohne Wasser schlucken. Ich nestele den Beutel aus der Tasche am Gürtel. „Energy Competition Gel“ steht darauf. Hoffentlich wirkt es…

Nur noch zehn Kilometer ... Foto: firstfotofactory.com

Kilometermarke 32 – „Nun nur noch … ein kleiner Morgenlauf“, raunze ich etwas kurzatmig meinem inzwischen ebenfalls etwas mitgenommen aussehenden Laufpartner zu. Dieser Gedanke hatte bei den bisherigen Marathons immer geholfen, ein Stimmungstief zu vermeiden.  Kilometer 35 – 2:41:45 steht auf dem Bändchen. Wir sind fast acht Minuten schneller. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, wie ich mich wundere, warum ich mich nicht freue, dass wir in jedem Falle die 3:15 Stunden unterbieten werden. „Jetzt könnten wir doch auch langsamer laufen…“

In Hamburg-Nord geht am Straßenrand wieder der Punk ab. Enges Jubelspalier für die Helden der Straße. Noch 6 Kilometer, noch 5 … Warum sind diese Kilometer sooo lang? Wo sind die Zuschauer? Kilometer 38 – Harvestehude – 4:28 – wo sind die Leute? Kilometer 39 – Rotherbaum – 4:30 – Blick zur Uhr. Doch schneller als 3:10 Stunden? Der Gedanke daran macht nochmal Beine, auch wenn ich sie nicht mehr spüre. Jetzt müsste Marcel doch Gas geben? Aber der läuft mit glasigem Blick neben mir, dann hinter mir. Hey, das kann doch nicht sein!

Kilometer 41 – zurück in St. Pauli. Das Publikum ist wieder da, feiert uns Läufer euphorisch, auch wenn die schnellsten schon seit mehr als einer Stunde hier vorbeigekommen sind. Ich sehe das Ziel. „Jetzt wird genossen!“, höre ich mich sagen. „Marcel!“  Marcel? Mein junger Laufpartner quält sich tatsächlich 20 Meter hinter mir. Keine Frage, ich warte, mache langsamer, bis er aufgeschlossen hat. Der rote Teppich. Ich fische mir seine Hand, reiße sie in die Höhe. Jubelpose.

Zieleinlauf - mein Lieblingsbild. Foto: firstfotofactory.com

Endorphine meißeln ein breites Grinsen in mein Gesicht. Es ist geschafft!

Ein hübsches Mädchen erwartet mich mit der Medaille, in der eine Stunde später die Zeit eingraviert sein wird.

Fotos werden gemacht. Auch Marcel findet schnell seine Fassung wieder. Wir sind stolz.

Stolz! Foto: firstfotofactory.com

3:08:52 Stunden, Platz 626 (gesamt) Platz 601 (M), Platz 125  in meiner Altersklasse (M45). Wie gut das ist, wird  mir erst später bewusst. Auch Christoph und Rudi laufen deutlich neue Bestzeiten, 3:25 und 3:23. Schließlich kommt auch Achim ins Ziel. Er musste wegen Knie- und Hüftschmerzen viel gehen. Doch das ist schnell vergessen. Jetzt ist Zeit zum gemeinsamen Feiern: Der Schmerz geht, der Ruhm bleibt.

Viermal persönliche Bestzeit!

Und wer jetzt noch Lust hat, kann hier den genauen Rennverlauf ansehen.

Danke an Holger, der aktuell auch etwas für das Laufportal geschrieben hat.

Deuluxlauf: Massenhappening an der Sauer

Natürlich sollte Margitta einmal mehr Recht behalten. Meine Ansage, den Deuluxlauf in Ruhe als Genusslauf zu meistern, war spätestens zu dem Zeitpunkt überholt, als ich zu einer flotten Bekannten aufgelaufen war, die ich vor drei Jahren bei Der TV bewegt als Trainerin kennengelernt hatte.

Das war zwei Kilometer nach dem Massenstart, bei dem ich mich ziemlich weit vorne eingereiht hatte, um dem Gedränge zu entgehen. Und da ging es natürlich ziemlich flott los, was auch kein größeres Problem für mich war. Marcell und Jürgen hatten sich eine gute Zeit vorgenommen. Ich wollte mit Christoph laufen, der zwei Wochen wegen einer Erkältung pausiert hatte,  und mich an ihm orientieren.

Die beiden Freunde vor mir zunächst in Reichweite. Dann auf gleicher Höhe, als mit Birgit anspricht: „Hallo Rainer. Was hast du dir voergenommen?“ – „Eigentlich gar nichts. Ich will nur einigermaßen entspannt durchkommen.“ Sie blickt zur Uhr. „Also 4:10?“ – „Weiß nicht, aber das fühlt sich noch ganz gut an.“ – „Das wäre meine neue Bestzeit in Langsur“, höre ich meine Laufpartnerin für die folgenden acht Kilometer sagen.

Denn ich werde für sie den Hasen spielen. Also: Tempomat ein und weiter geht’s, vorbei an der Livemusik in Mesenich, über die im Takt der Schritte schwankende Fußgängerbrücke nach Luxemburg hinüber. Zurück auf der welligen Strecke nach Langsur. Birgit bleibt meist einen Schritt hinter mir, schließt nach den kleinen Steigungen immer wieder auf.

An der Brücke nach Langsur wartet wie immer viel Publikum. Ich laufe nun seit Kilometer 8 doch am Anschlag, um das Tempo zu halten. Auf der langen Schlussgeraden will ich dieses Mal keinen Läufer vorbeilaufen lassen. Wäre doch gelacht… ich kann auch sprinten (fühlt sich zumindest so an).

Im Ziel vergesse ich natürlich wieder, die Uhr anzuhalten. Dafür klatsche ich meine begeisterte Partnerin ab, die über eine neue Bestzeit glücklich ist. Rudi kommt kurze Zeit später auch mit einer PB an. Und auf Christoph müssen wir auch nicht lange warten.

Marcell ist derweil schon auf dem Weg zur Abenteuerdusche. Er ist 40:12 Minuten gelaufen. Auf dieser Strecke eine Superzeit. Wie ich inzwischen weiß, habe ich für Langsur auch eine neue PB aufgestellt: 41:34 Minuten. Ok, das fühlt sich gut an.

Dann das besondere Duscherlebnis. Massenhaft Männer in dem zur Umkleide umfunktionierten Feuerwehrgerätehaus. Massenhaft Männer in den beiden zu Duschräumen umfunktionierten Feuerwehrzelten. Alles Warmduscher, denn die Durchlauferhitzer der Feuerwehr Langsur leisten ganze Arbeit.

Ich muss alle enttäuschen, die hier Fotos aus dem Darkroom erwartet haben. Hier den Fotoapparat zu zücken, hätte mir zumindest Prügel eingebracht. Aber zumindest einen kleinen Einblick gebe ich dennoch…

Frisch geduscht wird nach dem Lauf in Langsur dann traditionell gefeiert. So herrscht auch in diesem Jahr prima Stimmung in der Mehrzweckhalle. Die Sieger – alles dazu im Laufportal – werden beklatscht, die Musikkapellen spielen auf. Ein Glas Sekt für alle Läufer steigt sofort in den Kopf und will mit dem ein oder anderen Glas alkoholfreiem Weizen verdünnt werden.

2016 Läuferinnen und Läufer hatten sich in die Startlisten eingetragen. 1942 kamen ins Ziel. Eine Megaveranstaltung! Kompliment an die Organisatoren. Eine tolle Leistung!

Runner’s High in Konz

Was war das für eine tolle Veranstaltung in Konz! Die Bottiche mit Wasser und die daran festgebundene Wurzelbürste wurde nicht benötigt. Denn von dem Schlamm, der im vergangenen Jahr vor allem den Anstieg noch Konz Roscheid zu einer Rutschpartie machte, war bei prächtigstem Herbstwetter nichts zu sehen. Um die Mittagszeit wird es 17 Grad warm sein. Im Schatten, wohlgemerkt.

Mit drei Freunden von Lauftreff Olewig gehe ich an den Start. Marcell, unser Jüngster, ist in diesem Jahr so stark, dass von Beginn an klar ist: wir werden ihm nicht folgen können, wenn er volles Tempo geht. Achim, unser Großer, ist nach Stockholm erst wieder seit kurzem in Tritt gekommen. Er hat angekündigt, den Lauf „nur durchstehen“ zu wollen. Und auch Rudi ist in diesem Jahr nicht so oft samstags dabei gewesen.

Da Christoph, mein kongenialer Laufpartner, wegen einer Erkältung nicht am Start ist, wird schon eine Minute nach dem Start klar, das wird kein Teamlauf. Marcell ist zu schnell für mich. Ich laufe zu flott für Rudi, und dessen Tempo kann nicht von Achim gehalten werden.

Ich sortiere mich also nach dem ersten Anstieg irgendwo hinter der Spitzengruppe und deren schnelle Verfolger ein und entscheide mich dafür, nur nach meinem Gefühl zu laufen und mich nicht zu kraftzehrenden Sprinteinlagen herausfordern zu lassen. Das muss beim Wurzelweglauf in Konz auch so sein, denn die Strecke hat es in sich. Mindestens zur Hälfte eine echte Crossstrecke. Viele lange Steigungen.

Die erste ist der Wurzelweg, der dem Lauf auch in der 36. Auflage seinen Namen gibt. ist ein steiler Pfad, auf dem nachts manchmal auch die Wildschweine wüten. Ich ordne mich brav hinter einem Läufer ein, der vielleicht einen Tick langsamer am Berg ist als ich. Kräfte sparen lautet aber das Motto. Ich bleibe hinten. Erst kurz vor dem Ende, als wir auf eine Starterin treffen, die sich offensichtlich zu sehr verausgabt hat, gehe ich an beiden vorbei.

In Roscheid die erste – und wie sich zum Leidwesen einiger Läufer herausstellen wird – einzige Verpflegungsstation. Hier feuern auch einige Zuschauer die Sportler an, die sich nun aufmachen, die nächste Herausforderung zu bewältigen. Denn das nicht ganz so steil, aber stetig und lange Wegstück auf die höchste Stelle der Strecke ist bei schnellem Tempo extrem anstrengend.

Bei diesem Wetter muss aber ein Blick für das tolle Panorama bleiben. Die unterwegs geschossenen Bilder sind besser geworden als befürchtet.

Nur etwa 100 Meter von der Pellinger Straße, dem dahinter liegenden Mattheiser Wald und den im dortigen Schießgelände wild herumballernden Kleinkaliberschützen, geht es nach einer Spitzkehre wieder zurück in Richtung Konz, zunächst nahezu eben und dann durch den Wald steil bergab.

Wie immer überholen mich einige Läufer auf den Abstiegen, obwohl ich meinen Beinen mehr erlaube als sonst. Auf den Rampen bergauf und besonders auf dem nochmals langen Anstieg zum Panoramaweg oberhalb der Weinberge von Oberemmel hole ich aber fast alle wieder ein. Hier wäre eine zweite Verpflegungsstation eine gute Sache.

Ich vermute mal, meine Fähigkeit, mit wenig zusätzlicher Flüssigkeit auszukommen, ist dafür entscheidend, dass mich auch bergab nun bald niemand mehr überholt. Die restlichen zwei Kilometer habe ich aus dem vergangenen Jahr noch gut in Erinnerung: Erst bergab, dann eine lange ebene Gerade auf Asphalt.

Na gut: Mal sehen, ob ich den Kilometer noch im Bereich von vier Minuten laufen kann. Richtig Spaß macht das nicht, aber ganz entspannt ins Ziel laufen, das geht auch nicht … 4:10 auf Kilometer 14 – 3:54 auf Kilometer 15, lese ich auf meiner Garmin später nach. Da überhole ich etwa 200 Meter vor dem Ziel noch einen Läufer aus einer höheren Altersklasse. Den Applaus der Zuschauer im Zielbereich genieße ich aber so sehr, dass ich mich fast erschrecke, als er wieder mit lauten Riesenschritten an mir vorbeiprescht. Es sei ihm gegönnt.

Im Ziel dann der Blick auf die Uhr. Wow, 1:09:09 Stunden. Ich hätte nie damit gerechnet, die 1:11:03 aus dem vergangenen Jahr zu toppen. Die offizielle Zeit ist sogar noch zwei Sekunden besser. Aber Marcell ist schon seit vier Minuten im Ziel; in seiner Altersklasse M35 wird er sogar Zweiter. Kompliment! Wiederum vier Minuten nach mir kommt Rudi strahlend an. Und zu dritt laufen wir Achim entgegen und begleiten ihn auf seinen letzten Metern.

Runner’s High! Willkommen, ihr Endorphine. Alle sind richtig gut drauf. Traumhaft. In einer Woche wartet nun zum Saisonabschluss der Deuluxlauf in Langsur. Ein flacher Zehner am Flüsschen Sauer entlang. Fünf Kilomter auf deutscher, fünf auf Luxemburger Seite. Auch da werden ganz viele Bekannte am Start sein. Auf das Wiedersehen freue ich mich mehr als auf den Lauf. Aber den werde ich ruhig angehen, versprochen 😉

Den offiziellen Bericht mit den Siegern und den Platzierungslisten gibt’s schon jetzt auf dem Laufportal des Trierischen Volksfreunds.

Vier magische Zahlen: 51, 1046, 17, 200

Ok, die Oberschenkel werden langsam dick, so fühlen sie sich zumindest an, auch wenn das optisch nicht ganz rüberkommt. Der schnelle Zehner beim Trierer Stadtlauf war doch ziemlich anstrengend. Aber – auf die Gefahr hin, dass mir das wieder als Selbstdarstellung und Egotripp vorgeworfen wird – ich bin stolz auf meine Leistung, zunehmend. Denn trotz der Hitze hat es geklappt: Meine alte Bestzeit deutlich unterschritten. Und ganz von den Socken war ich beim Blick auf die Ergebnisliste, die mich in meiner Altersklasse M 45 mit 40:51 Minuten auf Platz 6. Wow!

Insgesamt 51., bei den Männern 48. von insgesamt 1046 Teilnehmern, das ist um Einiges besser als ich erwartet hatte. Auf der anderen Seite ist aber auch klar, dass ich die Schallmauer von 40 Minuten nicht angreifen werde. Das würde einfach zu viel Tempotraining erfordern.

Jetzt setzte ich für den Rest des Jahres wieder auf längere Strecken. Die machen mehr Spaß und sind nicht ganz so kräftezehrend innerhalb kürzester Zeit. Also dann: Der Berlin-Marathon lässt grüßen.

Davor aber wartet noch ein besonderer Spaß beim Hospizlauf. „Koblenz – Trier: 17 für 200“. So lautet das Motto: 17 Läufer für 200 Kilometer. Mehr dazu gibts auf dem Hospizlauf-Blog.