In der grünen Hölle

Steilkurven laufen sich nicht besonders gut. 24,4 Kilometer auf Asphalt tun den Füßen nicht besonders gut. 600 Meter hoch und 600 Meter runter sind für so eine Distanz ziemlich viel. Und dann auch noch „grüne Hölle“ als Namen für die Rennstrecke… warum tun sich in jedem Jahr Tausende Läufer an? Ganz einfach: Weil es trotz allem ein grandioses Erlebnis ist, über die Nordschleife des weltberühmten Nürburgrings zu laufen

Hier das Ereignis in Bildern:

Früh aufgestanden, um 6.30 Uhr geht’s los in die hohe Eifel. Der Nieselregen hört bald auf, der Nebel lichtet sich. Erste blaue Flecken. Aber am Ring ist wieder alles dicht bei 8 Grad. Aber die Sonne wird kommen.

Auf den Parkplätzen ist schon viel los. Im Ringboulevard steht die längste Schlange an dem einen Schalter, an dem die Vorangemeldeten mit eigenem Chip ihre Startunterlagen abholen. An den zehn anderen Schaltern langweilen sich die Helfer.

Christoph, Rudi und Marcel sind als Nachmelder also schneller als ich. In der großen Halle treffen wir uns wieder zum Umkleiden. Es gibt für jeden einen Turnbeutel mit Eiskaffee vom Hauptsponsor, kleinen Stärkungen, einem Duschgel und einer Dose Energy-Drink.

Auf dem Weg zu den Katakomben, die zum Start auf der Start-Ziel-Geraden führt, ziehen Rennboliden hinter Schaufensterscheiben die Blicke auf sich.

Noch immer Nebel… Das lässt frösteln.

Die Stimmung ist dennoch gut.

Noch einige Minuten bis zum Start. Wo die Läuferinnen und Läufer stehen, warten sonst PS-Boliden darauf, dass die Ampel grün anzeigt.

Die Ampel ist heute aus. Der Startsprecher schafft es dennoch, das Kollektive Hände-zum-Himmel zu initiieren.

Und los geht es. Ganz gemächlich, an vielen Zelten, Wohnmobilen und Pavillons vorbei. Hier campieren die Teams von Rad am Ring auf ihr 24-Stunden-Rennen.

Auf der breiten Piste ist viel Platz für alle Läufer. Verpflegungsstellen gibt es mehr als bei einem Stadtmarathon. So viel kann man gar nicht trinken oder essen.

Immer wieder geht es hinauf und hinab. Bei Adenau ist der tiefste Punkt der Strecke erreicht. Nun eine kurze Rampe hoch, dann nochmal durchschnaufen.

Der Nebel hat sich inzwischen nahezu verflüchtigt. Die grüne Hölle ist ein Traum.

Christoph und Rudi laufen wie ich heute in den Shirts des SV Olewig.

Und dann geht es zum langen Anstieg Auf die Hohe Acht. Hier gehen viele Läufer.

Das Ende hat es nochmal in sich: zwei Anstiege, die es in sich haben. Gut, wer sich noch einige Körner aufgespart hat.

Im Ziel gibt es eine hübsche Medaille.

Kurz danach entdecke ich Marion Hansen, die heute mit ihrem Mann Dirk und dessen Bruder Sven aus Aachen an den Ring gekommen sind. Marion und Dirk hatte ich beim Silvesterlauf in Trier kennengelernt. Wir hätten uns auch jetzt viel zu erzählen. Da sie nach dem Start auf der kurzen Distanz noch auf ihre Männer wartet, schaue ich zunächst, dass ich mit den Anderen ins Warme komme. Denn trotz der Sonne ist es um kurz vor 11 Uhr nach dem Lauf ziemlich kühl.

Im Ring-Boulevard laufen derweil die Siegerehrungen für die 5er- und 10er-Läufe.

In dem großen Gebäude wäre auch der Start für die schnellste Achterbahn Europas. Wenn die denn fahren würde. Das imposante Fahrgeschäft, das dem Eingangsbereich zum Ring eine besondere Note gibt, hat aber leider noch immer keine Betriebserlaubnis.

Von dem Lauf und der Organisation sind wir begeistert. Dennoch beschließen wir, zügig die Rückfahrt nach Trier anzutreten. Auf der Fußgängerbrücke über die kaum befahrene Straße am Hazptgebäude treffe ich Marion, jetzt begleitet von Dirk und Sven, noch einmal. Großes Hallo! Sven kannte ich bislang nur als Netzbekanntschaft.

Das war also der Nürburgringlauf 2012. Offizielle Zeit: 2:04:34 Stunden. Jetzt gehört die Strecke den Radfahrern. Auch sie freuen sich über ideales Wetter.

Nürburgring: Der Berg ruft

Der Nürburgring macht in diesen Tagen ja bundesweit Schlagzeilen – vor allem wegen des gescheiterten Misstrauensvotums gegen den rheinland-pfälzischen Urgesteins-Landesvater Kurt Beck. Der hatte für das haarsträubende finanzielle Desaster um die legendäre Rennstrecke die politische Verantwortung übernommen.

Wie auch immer es politisch enden wird. Der Nürburgring wird weiterhin bestehen, zumindest die Rennstrecke und die wichtigsten dazugehörigen Gebäude. Und die werde ich mir am Samstag einmal genauer ansehen, schließlich ist die Boxengasse der Rennstrecke Start- und Zielbereich für den Nürburgringlauf. Der bietet die Möglichkeit, die 24,4 Kilometer lange Nordschleife zu erlaufen und am eigenen Leib zu spüren, wie viele Höhen und Tiefen die Strecke hat.

Das Team des SV Olewig nach dem Zieleinlauf 2010.

Viel Beton und reichlich Höhenmeter. Für die Abstiege werde ich mir vornehmen, wie vor zwei Jahren auf dem Rasen neben der Fahrbahn zu laufen. Jetzt muss nur noch das Wetter besser werden als heute. Aber da kann die Eifel tückisch sein.

Runter, rauf und noch einmal

Er ist einer der ältesten Marathonläufe überhaupt, habe ich mich belehren lassen. In einer Reihe mit den Legenden Rennsteiglauf und Bienwald- und Schwarzwald-Marathon steht der in Monschau. Die  bereits 36. Auflage sollte auch in diesem Jahr viele Laufverrückte in den landschaftlich grandiosen Teil des Naturparks Eifel locken, der an der Grenze zu Belgien nahtlos in das Hohe Venn übergeht.

Geliebäugelt hatte ich schon länger mit einem Start dort. Nachdem bei meinem ersten Landschaftsmarathon im vergangenen Jahr im Hochwald heftigste Wadenkrämpfe auf den letzten zehn Kilometern den Spaß vertrieben hatten, blieb doch einige Skepsis, als mir eine von meinem Laufcoach Jens überlassene Wildcard praktisch keine Wahl mehr ließ: Ich würde starten, zumal die Formkurve nach der intensiven Vorbereitung auf Hamburg noch nicht so dramatisch in den Keller gerauscht war. Aber würden die vergleichsweise wenigen Läufe im Juni und Juli für einen Kultlauf genügen, der damit wirbt, mit mehr als 800 Höhenmeter auf zu 60 Prozent  Waldwegen die Herzen der Läufer nicht nur höher, sondern auch schneller schlagen zu lassen?

Ein gemeinsamer Trainingslauf beim Lauftreff in Schweich bringt die Entscheidung. „Monschau, eine tolle Sache, da fahren wir auch hin.“ Diese Ansage von Lauf-Urgestein Wolfgang Deutsch und die Zusage, ich könne mich der Gruppe aus Schweich gerne anschließen lassen mir keine Wahl mehr. Monschau, ich komme!

Als ich am Sonntag mein Auto kurz vor 7 Uhr auf den vorletzten Platz der als Parkraum ausgewiesenen Rasenfläche hinter der großen Buchenhecke abstelle, steigen aus dem Van vor mir vier Herren in den roten Jacken des LT Schweich. Fest verabredet hatten wir uns nicht. Und wir waren auch unterschiedliche Umwege durch die Eifel gefahren, die gefühlt zur Hälfte wegen Baustellen  auf seiner wichtigsten Verbindungsstraße gesperrt ist.

Großes Hallo mit Wolfgang, Uli, Heinz und Jobst. Als 50er-Team wollen sie im September den Jungfrau-Marathon finishen. Monschau soll so etwas wie ein Trainingslauf sein. „Wir laufen entspannt“, lautet dann auch die von Wolfgang ausgegebene Devise. „Ist mir recht“, versichere ich. Schließlich wolle ich die Landschaft genießen und keine Krämpfe bekommen.

Zwei mit reichlich Flüssigkeit geschluckte Salztabletten, eine vier Stunden vor dem Start, die zweite um 7.30 Uhr, nach dem Überziehen der Kompressionsstrümpfe und dem Befestigen der Startnummer am inzwischen reichlich ausgeleierten Gummiband. Es ist die „500“, eine schöne Nummer, wie mir bei der Übergabe auch die nette Dame vom TV Konzen versichert hat. Das schwarze Funktionsshirt mit dem Monschau-Branding bekomme ich auch noch. Dafür stehe ich gerne einmal für Jens‘ Team GetFit auf der Ergebnisliste. Hoffentlich.

Um 7.50 Uhr setzt sich der Läufertross in Bewegung. Zunächst im Schritttempo, denn in Monschau, genauer im Stadtteil Konzen hat es Tradition, dass die Teilnehmer gemeinsam von der Ortsmitte zum Start gehen. Knapp 200 Männer und Frauen haben das bereits zwei Stunden früher hinter sich gebracht. Es sind jene Furchtlosen, die in diesem Jahr den zum ersten Mal ausgerichteten Ultralauf über 56 Kilometer bestehen wollen.

Am Start treffe ich auch die zwischenzeitlich verlorenen Schweicher wieder. Wolfgang ist mit seinen knapp zwei Metern Körpergröße zum Glück schwer zu übersehen. „Da kommen die letzten vier Ultraläufer von ihrer Zwölf-Kilometer-Schleife“, kündigt der angesichts des Prachtwetters gut gelaunte Sprecher am Mikrophon an. Sonne, kurz vor 7 Uhr ebenso viele Plusgrade. Weder Schwüle noch zu große Hitze wird heute ein Problem sein.  Dann geht es los.

In gemächlichem Tempo trabt das Hauptfeld los, in das wir uns eingereiht haben. 507 Marathonläufer werden am Ende das Ziel erreicht haben, 424 Männer und 83 Frauen. Zudem sind sage und schreibe 98  Staffeln am Start. Weit mehr als 1200 Sportler werden diesen Sonntag also in bleibender Erinnerung behalten.

Zunächst geht es steil hinunter auf einem schmalen Pfad in Richtung Monschau. „Hier war es vergangenes Jahr verdammt glatt“, weiß Wolfgang.  „Da hat es die ganze Zeit geregnet.“

Rutschig ist heute nichts, aber Vorsicht ist dennoch angesichts der unebenen Strecke geboten. Mein langer Laufpartner erkennt einen Bekannten aus Köln. Er will an diesem Tag seinen 60. Marathon bewältigen. „In 4:17 Stunden, die Zeit fehlt mir noch“, erzählt er und deutet auf sein Shirt, auf dem er mit Edding die 59 Endzeiten seiner bisherigen Läufe fein säuberlich notiert hat. Die erste Zahl lautet 3:06 Stunden. Ok, denke ich, der kann also auch deutlich schneller.Bei diesem Tempo bleibt in dem beschaulichen Städtchen Monschau genügend Zeit, die schönen Häuser zu betrachten. Eine Burg gibt es hier. Und spätestens seit auch ein Eifelkrimi von Jaques Berndorf Mord und Totschlag in die 1700-Einwohner-Gemeinde brachte, ist das Städtchen an der Rur auch über die Region hinaus berühmt.

An dem erfrischend plätschernden Flüsschen entlang geht es bis zur idyllisch gelegenen Kluckbachbrücke, wo der erste von zahlreichen Verpflegungsstellen mit allerlei Stärkungen in flüssiger und fester Form wartet.  „So eine Schweinerei!“ empört sich eine Läuferin, als der Mann vor ihr den leeren Plastikbecher von der Brücke in hohem Bogen in den Flusswirft, wo er sich einigen munter auf den Wellen schaukelnden Artgenossen anschließt. Recht hat sie!

Die Erfrischung kam zum richtigen Zeitpunkt, die Erleichterung auch, denn nun geht es zum ersten Mal steiler bergauf. Aus den Augenwinkeln glaubte ich die anderen Schweicher zu erkennen, als sie an uns vorbeiliefen. Ein toller Pfad in herrlicher Umgebung. Ich lasse Wolfgang beim zügigen Berglauf den Vortritt und sehe seinen Fehltritt. Autsch! Umgeknickt. Aber nach Schrecksekunde und zwei Dutzend vorsichtiger Schritte gibt er Entwarnung: „Glück gehabt, da  ist nichts passiert“, und erzählt von seiner schweren Verletzung am anderen Fuß im vergangenen Jahr. „Da ist die Sehne wieder zusammengewachsen. Die reißt nicht mehr…“

Als wir an der Köhlerklause vorbeikommen, einer schönen Campier- und Rastmöglichkeit für Naturliebhaber, muss ich eingestehen, dass ich mich mit den Laufkollegen aus Schweich wohl vertan habe. Und in der Tat werden wir sie erst wieder nach dem Zieleinlauf sehen. Aber es wird heute nicht die letzte Verwechslung gewesen sein.

Bei Kilometer zehn laufen wir durch ein Dorf. „Wo sind wir hier?“, rufe ich einem Zuschauer zu. „Na im wunderschönen Widdau“, kommt die Antwort. Dort, wo die Staffeln erstmals wechseln. Wieder gibt es Verpflegung, von freundlichen Menschen gereicht, wie überall an der Strecke. In jedem Ort feuern die Einheimischen uns Läufer an, bieten Getränke, Riegel, Obst. Sie haben Plakate gemalt, erwidern jeden Gruß, haben aufbauende Sprüche für alle, die scheinbar oder tatsächlich in einer Schwächephase stecken.

Die haben fast alle beim zwei Kilometer langen Anstieg im Hölderbachtal. Hier wird auch niemand schief angeschaut, wenn er einige Meter geht – was für mich allerdings nicht in Frage kommt – noch nicht.

Und so geht es weiter: mal rauch, mal runter, dazwischen immer wieder flach entlang. Im Wald, auf Wiesenwegen. Die Kühe am Rande haben sich ebenso wie die Läufer zu Rudeln geschart. Auf der Höhe zum Brather Hof bläst der Wind kräftig. Die mächtigen Rotoren, die hier Energie gewinnen, stehen an der richtigen Stelle. Kurz nach Überquerung der B258 ist die erste Hälfte geschafft. Und wieder machen am Übergabepunkt der Staffeln die Menschen den Weg zu einer schmalen Gasse der Motivation.

Zwei Stunden und drei Minuten zeigt die Uhr an. „Jetzt laufen wir etwas zügiger“, schlägt mein Partner vor. „Unter vier Stunden will ich schon ins Ziel kommen.“ Ich habe keine Einwände, zumal es nun erst einmal längere Zeit eher bergab geht. „4:20“, gebe ich nach einem Kilometer das aktuelle Tempo weiter. Die zuvor lebhafte Unterhaltung stockt nun etwas. Vor allem wenn es den Berg hinunter geht, ist Walter mit seinen langen Beinen klar im Vorteil. Ich muss gefühlt mindestens doppelt so viele Schritte machen wie er. „Läufst Du jetzt auf drei Stunden 30?“, frage ich etwas stockend. „Oh, Du hast recht, wir müssen etwas Tempo herausnehmen“, kommt zur Antwort. „Wenn man die Leute überholt, ist es irgendwie wie ein Rausch, da muss man aufpassen“, spricht’s und läuft fortan nur noch 4:30 Minuten/Kilometer.

Ich lasse es locker bergab laufen und merke bald, dass ich am Berg relativ leicht wieder aufschließen kann. Wir überholen die Tempoläufer für 4:00 Stunden. Der Untergrund wechselt nun auf Asphalt. Das kommt dem Tempo entgegen.

Bei Kilometer 29 ist Kalterherberg erreicht. Ein Straßendorf von außergewöhnlicher Länge. 2400 Menschen leben hier. Die meisten haben sich heute wohl vor der großen neugotischen Dorfkirche mit dem Doppelturm versammelt, die eher einem Dom gleicht. Hier stehen sie Spalier für den dritten Staffelwechsel. Die anderen haben sich davor und dahinter auf mehreren hundert Metern verteilt, jeder Zweite mit einem  Bauchladen voller Energieriegel, Obst und Getränke. Ich greife zu und verschlucke mich prompt mächtig, weil ich so viel Kohlensäure nicht erwartet hatte.

Egal. Die Stimmung ist prächtig, als wir uns nach links in die Hecken schlagen. Wir laufen nun in unmittelbarer Nähe zur Grenze nach Belgien. Hier heißt die Eifel Hohes Venn. Eine idyllische Landschaft. Der kleine Fluss am Wegesrand ist wieder die Rur. Unter dem Viadukt der ehemaligen Vennbahn hindurch beginnt bei dem geschlossen wirkenden Gasthaus Leyloch ein langer Anstieg auf Asphalt. „Vor einem Jahr hat uns hier der Wirt mit warmen Getränken begrüßt“, erzählt Wolfgang. Vielleicht ist es ja derselbe Mann, der nun hinter dem Haus auf dem geschnittenen Stammholz sitzt und uns freundlich zuwinkt. Wir freuen uns derweil, dass die Distanz unserer Reststrecke nur noch der einer kürzeren Trainingseinheit entspricht.

Die Strecke auf der Straße, mit ihren langgezogenen Kurven, Anstiegen und Gefällen erinnert mich sehr an einen anderen Lauf in der Eifel: den Nürburgringlauf. Auch in Monschau hat diese Passage zwischen Kilometer 34 und 38 etwas von „grüner Hölle“. Die Beine sind nun ordentlich schwer. Ein leichtes Ziehen in den Oberschenkeln. Die Waden machen keine Probleme, registriere ich beruhigt. Der berüchtigte Hammermann, der einem angeblich mit einem Schlag alle verbleibenden Kräfte raubt, ist aber nicht zu sehen. Vielleicht verhindern dies auch die begeisterten Menschen in Mützenich, die über der Strecke ein großes Zelt errichtet haben, durch das die Läufer hindurch müssen, nicht ohne es ohne Stärkung verlassen zu haben. „Keine Sorge, einer ist noch hinter Dir!“, ist auf einem Plakat zu lesen. Ich muss schmunzeln. Die meisten Läufer werden diese Ironie wohl verkraften.

Am Ende komme noch ein Anstieg an dem sich zeige, wer noch Körner habe. So hatte mein erfahrener Mehrfach-Monschau-Finisher gewarnt. Na gut, denke ich mir, dann lasse ich es bis dahin eben laufen. Zumal es wieder bergab geht. Wolfgang bleibt nun etwas zurück. Aber ich werde auf ihn warten.

Dann biegen wir von der Straße wieder links auf einen schönen Naturpfad ab – und da ist er, der berüchtigte Schlussanstieg nach Konzen. Ich nehme Tempo heraus und meinen Partner im Ärmellosen roten Shirt wahr. Er läuft nur 50 Meter hinter mir. Der Kirchturm des Ortes kommt in Sicht, die Stimme des Sprechers zu hören. Wie beim Start versprochen, begrüßt er offenbar jeden einzelnen Läufer mit dem Namen.

Wo ist Wolfgang? Ich nehme nochmal Tempo heraus, trabe, sehe das Ziel, gebe ihm einen ermutigenden Wink, lasse ihn herankommen. Hand in Hand laufen wir unter dem Zielbogen hindurch, erhalten unsere Medaillen. Ich blicke strahlend auf, sehe den Mann, der sich herzlich dafür bedankt, dass ich ihn am Berg so hochgezogen habe. Dann erkenne ich Wolfgang. Er kommt jetzt ins Ziel. Wir klatschen uns ab. „Ich habe auf dem letzten Gefälle meinen Ischias gespürt und musste Tempo herausnehmen“, sagt er und versichert, dass er mir nicht böse ist, weil ich nicht gewartet habe. Ich versuche ihm das mit der Verwechslung zu erklären. Egal. Wir sind beide glücklich. 3:48:10 Stunden wird meine offizielle Nettozeit sein. Wolfgang ist nur fünf Sekunden langsamer.

Mit Obst, Cola und Tee warten wir auf die drei anderen Schweicher. Der Jungfrau-Marathon wird für sie sicher kein großes Problem. Vielleicht, nein, bestimmt laufe ich den irgendwann auch einmal.

Ergebnisse:

  1. Männer:             Markus Werker (TV Konzen)                     2:38:57
  2. Frauen:               Christina Ortmanns (Team coolart)         3:23:49

Läufer aus der Region Trier:

Rainer Neubert (Team getFit)           3:48:10

Wolfgang Deutsch (LT Schweich)     3:48:15

Uli Schabio (LT Schweich)                    3:58:52

Heinz Grundheber (LT Schweich)    4:00:28

Jobst Scherler (LT Schweich)             4:35:28

Thomas König (LT Mertesdorf)         6:20:50

Das Laktat muss raus. Am Tag danach tut’s zwar weh. Es hilft aber.

 

Eifelpanorama, 21 Kilometer und Endorphine


Die Eifel ist wunderschön. Da wird auch eine einstündige Anfahrt von Trier nach Geichlingen, das liegt an der deutsch-luxemburgischen Grenze und ist nur sechs Kilometer von Vianden entfernt, zu Genuss. Besonders bei so einem Prachtwetter wie heute. Grandiose Ausblicke über die Höhenzüge der Eifel. Und gen Osten bis in den Hunsrück. Die Windräder drehen sich träge vor arzurblauem Himmel. 20 Grad im Schatten. Fast zu warm, um einen anspruchsvollen Halbmarathon wie den Kammerwald-Lauf anzugehen.

Aber die Organisatoren haben gut auf den Eifel-Vorsommer reagiert und flugs zwei Trinkstellen mehr eingerichtet. Denn ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr ging heute gar nichts.Leider war ich mal wieder allein unterwegs, weil Christoph seine Erkältung nicht los wird. Christoph, Du hast etwas versäumt!

Also auf, die ersten sieben Kilometer gemeinsam mit den Läufern des Zehners. Das hat für ordentliches Tempo gesorgt. Und dann, nachdem sich die Wege getrennt hatten, eine lange Bergab-Passage durch den von Xynthia arg zerzausten Wald. Der angesichts des lockeren Treibenlassens aufkeimende Gedanke, dass ja irgendwann die gleichen Höhenmeter auch wieder bergauf zu bewältigen sein würden, sollte sich nach elf Kilometern in kräftezehrende Gewissheit verwandeln. Aber genug getrunken, kann so etwas nicht schocken. Dann also neun der verbleibenden zehn Kilometer bergauf, zumindest gefühlt müssen es so viele gewesen sein. Und besonders der letzte Kilometer hat richtig, RICHTIG weh getan.

Am Ende zeigte die Uhr 1.41.49 Stunden. Ohne Trinkpausen (ich kann einfach nicht laufend aus Bechern trinken)  1.40.43. Das wäre ein neuer persönlicher Rekord. Allerdings zeigt meine Garmin etwa einen Kilometer weniger an als die 21125 Meter, die von der LG Geichlingen gemessen wurden. Wem glaube ich nun? Heute im Zweifelsfall dem Veranstalter ;o)

Jetzt sind die Beine einigermaßen schwer, aber nach der tollen Panorama-Rückfahrt und lecker Gegrilltem zum Abendessen fühle ich mich so, wie man sich nach einem längren Wettkampf zufrieden fühlen sollte. Hoffentlich hält das bis morgen an, wenn ich mal wieder Sonntagsdienst in der Redaktion schiebe.

Und in der kommenden Woche konzentriere ich mich dann wieder auf die Vorbereitung für den Trier Stadtlauf. Der TV bewegt :o)

Zwölf Kilometer und Vorfreude auf die Eifel

Heute Morgen wieder wunderbare zwölf Kilometer im Tiergartental. Die Natur explodiert. Im Wald wird es bald wieder schattig sein. Und die Erde ist inzwischen schon wieder ganz schön trocken und entsprechend hart. Deshalb immer daran denken: Nicht zu heftig auf der Ferse landen. Das macht die Knie kaputt.

Am Samstag dann der Kammerwald-Halbmarathon in Geichlingen. Ich freue mich schon darauf, eine neue Landschaft kennenzulernen. Also: Auf in die Eifel!