Halber mit Zugabe

Die längsten Nächte, die kürzesten Tage – November. Das ändert nichts daran, dass unser kleiner Samstagslauftreff wie immer um 8 Uhr startet.

Ein kühler, nebeliger Morgen ist das heute. Wir sind als Trio unterwegs. Christoph ist wieder gesund. Achim darf sich nach dem ersten Marathon unter 4 Stunden in Frankfurt gratulieren lassen. Ich habe noch etwas von der Regenschlacht in Langsur zu erzählen.

Leider ist Manuel, der mal wieder in der Stadt weilt, nicht gekommen. Vier Stunden Schlaf wären auch etwas zu wenig. Dafür habe ich Verständnis. Dabei hätte ich so gerne von ihm etwas zu seinen Erlebnissen beim Transalpinlauf in diesem Jahr erfahren. Das war eine gigantische Leistung, die er in seinem Blog Seidenraupen und auf Facebook vorbildlich dokumentiert hat.

Wenn er um 11 Uhr seinen Trierlauf startet, wird er einen ähnlichen Weg nehmen wie wir: Zur fertigen Bitburger Straße und in den Weißhauswald.

Uns führt zunächst der direkte Weg zur Mosel, dann über die Römerbrücke.

Wir machen, wie Christoph es formuliert „Trier-West unsere Aufwartung“, bevor wir die neu gestaltete Hauptverkehrsader aus der Eifel in die Stadt in Augenschein nehmen.

Der teure und aufwendige Ausbau zu jetzt zwei Bergabspuren soll die morgendlichen Staus deutlich reduzieren.

Noch nicht ganz fertig ist der neue Fuß- und Radweg, der zur Fachhochschule führt. Die liegt auf dem Schneidershof im Weißhauswald und hat eine nicht sehr angenehme Vergangenheit, weil in einigen Gebäuden die Nationalsozialisten vor mehr als 60 Jahren residierten und auch Gericht hielten.

Wir wählen die Natur, den Weg am Waldrand des falschen Biewertals bis nach Biewer. Trotz des trüben Wetters ist der Wald ein Traum in gedämpften Farben. Der Teppich aus gefallenen Blättern liebkost unsere Füße und Gelenke.

Bei Sonne würden wir nun rechts hoch den Felsenpfad mit seinem fantastischen Ausblick auf Trier nehmen. Ich überrede meine beiden Kumpel, links den langen Anstieg in Richtung Schusters Kreuz zu nehmen. Der hat es in sich und erfordert einige Kondition. Christoph erklärt derweil die heimische Flora, um ein wenig abzulenken.

Ganz hoch zu der Wegmarke laufen wir dann doch nicht, sondern nehmen den direkten Weg durch den Wald zum Wildgehege. Schon wieder Wildschweine … Dieses Mal allerdings hinter Zäunen.

Die idyllischen Treppen geht es hinunter nach Pallien, über die Kaiser-Wilhelm-Brücke, die im kommenden Jahr 100. Geburtstag feiert. Da wird es noch einiges zu berichten geben. Denn  weil zur Einweihung der Kaiser höchstpersönlich kam, wurde auch gleich der grüne Alleenring eingeweiht, der bis heute die Stadt prägt. Längst als Verkehrsring um die Altstadt.

Die durchquert unser Trio auf dem Weg zurück nach Olewig. Der Hauptmarkt zeigt  Anzeichen von vorweihnachtlichem Wandel: Die ersten Buden für den Weihnachtsmarkt stehen schon. Ab 26. November werden sich hier Kitsch, Kommerz und Völlerei im Glühweindunst vereinen, um Einheimische und Gäste aus der ganzen Welt zu verzaubern.

Die überdimensionale Weihnachtspyramide vor dem Dom ist Geschmacksache.

Die gerösteten Maronen, für die Christoph und Achim posieren, auch.

Jenseits alles Erträglichen sind allerdings die künstlichen Ziegen auf dem Hüttendach.

So wird also auch diese Tour wieder irgendwie tierisch. Am Ende ist der Halbmarathon geschafft. Ganz gemütlich in 2:10 Stunden. Schön war’s!

foggy fun

Wieder so spät dran mit dem Eintrag …

Heute früh hat der Nebel es geschafft, das Moseltal einzuhüllen. Lediglich auf dem Petrisberg hat sich das Blau des Himmels angedeutet, dass dann zwei Stunden später wieder das Novembergrau verdrängt hatte.

Seit längerer Zeit mal wieder auf meinem Lieblingstrail. Da waren offenbar nicht mehr sehr viele unterwegs, seit ich mit Holzstockmachete die Brennnesseln etwas zurechtgestutzt hatte. Heute habe ich also trotz aller Vorsicht beim Eintritt in die Märchenpassage einie Nesselstellen abbekommen.

Davor war ich noch vom idyllischen Anblick einer trägen Schafsherde überrascht und von den im neben dem Weg in einem Anhänger übernachtenden und plötzklich wild bellenden Hunden   erschreckt worden.

Der Trierer Dom im Nebel, ebenso der Turm Luxemburg. Dazwischen immer wieder das Durchpflügen von bunten Blätterteppichen. Das macht Laune, solange die Blätter trocken sind.

Es wird kühler. Der Nebel in der Nacht dichter. Bald ist November. Dann lechzen wir wieder nach jedem Sonnenstrahl.

 Hier die Daten zum Lauf

Leuchtbojen

Nicht immer hat der goldene Oktober diesen Namen verdient. Zu viele Tage sind trüb, nass und grau. Wahre Läufer hindert das nicht daran, ihre Fitness zu verbessern. Auch nicht das abnehmende Tageslicht in den Morgen- und Abendstunden. Wer also nicht im Dunklen tappen will, muss aufrüsten. Stirnlampe, Reflektoren, Warnweste und ähnliche Dinge warten darauf, wieder aus dunklen Ecken an das schwindende Tageslicht geholt zu werden.
Niemand hat Angst vorm schwarzen Mann. Läufer werden zu Leuchtbojen. Wir erstrahlen, vornehmlich in Neongelb. Böse Zungen behaupten, wir würden das tun, um Aufmerksamkeit auf uns zu lenken, uns Willensstarke, die dem inneren Schweinehund mit Leuchtigkeit die kalte Schulter zeigen. Aber natürlich geht es Früh-, Spät- und Schlechtwetterläufern vor allem um Sicherheit. Wir blinken nur deshalb wie Schaufensterreklamen, um nicht unter die Räder zu kommen. Und die Leuchte am Stirnband soll außerdem Stolperfallen aufspüren. Hochschauen kommt vor dem Fall. Aber Vorsicht bei Gegenverkehr auf Lauf- und Radwegen! Nicht nur durch unterbeleuchtete Zeitgenossen droht Kollisionsgefahr. Wenn die Stirnleuchte zum Flakscheinwerfer mutiert, ist zu viel Blendwerk im Spiel. Und wenn ich deshalb noch einmal beim Lauf an der Mosel fast in den Fluss laufe, werde ich wirklich sauer.

Atemlos auf dem Dach der Welt

Laufen geht noch immer nicht. Aber an so einem verregneten Tag lassen sich ja zumindest Texte schreiben, die sich um das Laufen drehen. Die Reportage, die in den nächsten Tagen in dieser oder in etwas gekürzter Form im Trierischen Volksfreund erscheinen wird, will ich den Freunden und Gästen meines Blogs nicht vorenthalten.

Morgenlauf mit Fernsicht.

Atemlos auf dem Dach der Welt

Der Panoramaberg Muottas Muragl bietet nicht nur für Wanderer ganz besondere Erlebnisse

Wie ist es, in einer Höhe über 2500 Metern zu laufen?  TV-Redakteur und Flachland-Läufer Rainer Neubert wollte die Antwort wissen. Er nutzte dazu einen Aufenthalt im Oberengadin in der Schweiz.

Die ungläubigen Worte meines Freundes klingen mir im Ohr, als mich mein Smartphone zur programmierten Zeit aus den Träumen von sonnenüberfluteten  Berggipfeln und tiefen Bergseen zerrt. „Du willst morgen früh tatsächlich hier oben laufen?“, hatte er mich am Abend gefragt.  Soll ich wirklich? Der innere Schweinehund macht sich kurz bemerkbar, hat aber keine Chance. Denn der Blick aus dem Fenster registriert wolkenlos blauen Himmel. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Es ist der Beginn eines Prachttages

Zehn Minuten, zwei Kekse  und zwei Glas Wasser später stehe ich auf der Terrasse des Berghotels Muottas Muragl, das in dieser Nacht meine Unterkunft war. Es ist frisch, um die 10 Grad, windstill. Das Langarmshirt wird als Kälteschutz genügen. Über dem Tal mit seinen Seen liegt noch Frühnebel. Hier auf 2456 Metern Höhe, am Ende der 105 Jahre alten Standseilbahn, ist das kein Thema.

105 Jahre alt: Die Standseilbahn auf den Muottas Moragl.

Ich weiß, welche Tour ich in Angriff nehme. Während der Wanderung gestern und auf der Karte hatte ich mir das angeschaut. Da waren wir zu der 2700 Meter hoch gelegenen und nach dem dort 1899 verstorbenen Maler Giovanni Segantini  benannten Hütte aufgestiegen. Der Weg über die sauber verlegten Steinplatten durch ein mächtiges Geröllfeld ließe sich auch laufen. Susanne Bonaca und Angelo Baggenstos, sie bewirten die Hütte, bekommen dort in der Regel allerdings Besuch von Gästen in schweren Bergstiefeln. Für Läufer ist diese Höhe eine zu große Herausforderung.

Susanne Bonaca hat als Wirtin der Segantinihütte viel zu bieten: leckere Spezialitäten und immer gute Laune.

Von der Segantinihütte 400 Höhenmeter hinunter zur Alp Languard und auf dem Panoramaweg an der Bergflanke entlang zurück zum Muottas Muragl. Das war gestern im zügigen Wandertempo schon reichlich schweißtreibend. Als Laufrunde wäre das allerdings auch mehr als doppelt so lang als das, was ich mir für diesen Morgen vorgenommen habe: Vier Kilometer zum 2713 Meter hoch gelegenen Lej Muragl und wieder zurück. Der höchste Punkt der Strecke liegt auf 2750 Meter, also fast anstrengende 300 Meter höher als mein Ausgangspunkt. Das hat der Blick auf die Wanderkarte verraten.

Aber heute Morgen gibt es kein Kneifen: Auf dem Wanderschild, das den Weg weist, ist zu dem kleinen See eine Wanderzeit von 1,5 Stunden angegeben. Die Lauf-Uhr bleibt aus, soll nicht stören. Nur das Smartphone darf meine morgendliche Heldentat anhand der aufgezeichneten Stelliten-Daten dokumentieren…

Und los geht’s.  „Ich werde gehen, wenn es zu steil wird“, spreche ich mir Mut zu angesichts des Anstiegs, der das Aufwärmen zum Kinderspiel werden lässt. Was macht die Atmung? Geht schnell. Der Puls? Geht schneller. Einen Pulsgurt trage ich auch bei Läufen im Flachland und in den Weinbergen bei Trier nicht.  Hier in den Alpen käme er sicher an seine Belastungsgrenze. Also: Tempo rausnehmen und nicht ans Limit gehen. Apropos. Auf dem zweiten Kilometer wird es einfach zu steil zum Laufen. Flottes Schritttempo also, zumindest zügiges …

Murmeltiere pfeifen hell, huschen von den Hügeln am Hang links. Pfeifen die etwa den seltsamen Typen in schwarzen Laufklamotten aus?  „Warum läufst Du eigentlich im Schatten?“, fragt ich mich mein zweites Ich angesichts der zunehmend vom frühen Sonnenlicht überfluteten Hänge rechts von mir. Die Steine, Felsstufen und Tritte auf dem Weg vor mir liegen noch im Düstern. Endlich steigt der Pfad flacher an. Es geht sogar ein Stück bergab! Der Puls beruhigt sich. Ich wusste doch, dass Laufen auch in dieser Höhe Spaß macht!

Der Lej Moragl am frühen Morgen.

Und da ist endlich  das Blitzen der Sonne, die über den Bergkamm spitzt. Der See liegt vor mir, spiegelglatt reflektiert er die mächtigen Gipfel von Piz Languard und Piz Muragl. Ich bleibe stehen, staune, lausche der Stille. Atemlos. Jetzt nicht mehr nur wegen des Laufens.

Ein Flachlandläufer am Ziel seiner (Tor)Tour.

Natürlich habe ich wie immer meine kleine Kamera dabei. Diese Momente wollen dokumentiert werden … Der Weg zurück ist leicht. Denn was zuvor bergauf so schwer zu bezwingen war, führt nun bergab. Das Tal liegt vor mir. Die Sonne scheint. Welch ein Panorama! „Verliere nur nicht ganz den Blick für den Weg“, warnt meine innere Stimme vor möglicherweise fatalen Fehltritten. O.k. – ab und an lohnt es sich stehenzubleiben. Laufen auf dem Dach der Welt – was für ein Genuss!

Unvergleichliche Lage: Das Berghotel Muottas Morgal.

Nach 80 intensiven Minuten, acht Kilometern und insgesamt jeweils 720 Höhenmetern rauf und runter – auch ein Berglauf kann ganz schön wellig sein – stehe ich wieder auf der Terrasse des Berghotels. Der Nebel im Tal hat sich fast verzogen. „Du hast es tatsächlich getan!“, wird mich gleich mein Freund am Frühstückstisch begrüßen, sobald er mein Dauergrinsen sieht. Ja, ich habe es getan. Es wird nicht mein letzter Lauf in den Bergen gewesen sein.

 

Extra: Muottas Muragl

Der Muottas Muragl ist ein Ausflugsberg in  einer Höhe von 2453 Metern über dem Meer im Oberengadin, Schweiz. Er liegt auf dem Gemeindegebiet von Samedan und bietet einen weiten Ausblick über das Oberengadin mit der Engadiner Seenplatte (Silsersee, Silvaplanersee und St. Moritzsee).

Der Muottas Muragl ist zu Fuß oder mit der Standseilbahn von Punt Muragl (zwischen Samedan und Pontresina) aus erreichbar. Sie hat eine Streckenlänge von 2199 Metern und überwindet 709 Höhenmeter. Sie ist die älteste Bergbahn im Engadin.

Das 2010 komplett erneuerte Romantik Hotel Muottas Muragl wirbt damit, die schönste Aussicht des Oberengadins zu bieten. Quelle: Wikipedia

www.muottasmuragl.ch

Nah am Fall

Einen optischen Appetithappen auf die Engstligenalp gab es ja schon gestern. Dieses vom Wildstrubel-Massiv abgeschlossene Hochplateau bei Adelboden ist ein wunderbarer Ort, um zu Wandern und die Seele baumeln zu lassen.

Um dorthin zu kommen, gibt es diverse Möglichkeiten. Für alle, die nicht mit Hubschrauber oder Fallschirm unterwegs sind bietet sich die Kabinenbahn von Unter dem Birg an. Die 460 Höhenmeter auf die 1964 Meter hoch gelegene Alp lassen sich aber auch prima erwandern, auf teils abenteuerlichen und uralten Steilpfaden. Oder man leiht sich an der Talstation eine Klettersteigset und begibt sich auf die als familientauglich ausgeschriebene Route Chäligang, die nur einen Steinwurf von dem mächtigen Wasserfall entfernt emporführt, der seine Wassermassen beeindruckend in die Tiefe schickt.

Für Familien gibt es das in Kombination mit einer Talfahrt zu einem etwas günstigeren Preis. Mit umgerechnet 92 Euro für zwei Erwachsene und zwei Kinder sollte die Gegenleistung dennoch mit nicht zu wenigen Erlebnispunkten aufwarten. Sie tut es!

20 Minuten bis zum Einstieg. Sohn#1 spuckt große Töne, dass es hoffentlich nicht zu leicht sein wird. Sohn#2 dagegen, sonst die große Sportskanone, ist angesichts der mächtigen Felswand vor uns eher leiser als sonst.

Vor uns rauscht also das Wasser aus gefühlt einem Kilometer Höhe herunter, als wir an einem großen Felsbrocken das korrekte Einklinken mit den beiden Sicherheitkarabinern üben. „Immer schön gegeneinander versetzt, damit nicht aus Versehen einmal beide Sicherungen gelöst werden und der letzte Halt verloren geht“, schärfe ich uns ein. Dann geht’s los. Ab in die Wand.

Da wir alle schon einige Wald-Klettergärten bewältigt haben, ist das Gefühl von Klettergurt und Sicherungsseilen nicht neu. Nur Sohn#2 sieht sich vor neuen Herausforderungen, war er bislang doch maximal in fünf Metern über dem Boden unterwegs.

So zittern ihm auch schon nach wenigen hundert Metern die Knie angesichts der zunehmend schwindelerregenden Höhe, die wir erklimmen. Einige beruhigende Worte und die Zusicherung, dass Papa direkt dahinter bleibt und im Zweifelsfall hilft, lässt die Beine aber wieder fest werden. Und fortan meistert Junior gerade die nicht wenigen etwas schwierigeren Stellen schnell und mit Bravour.

Dafür beginnt dort die Schwächelphase von Sohn#1. Von dem Klettersteig bei Mürren, dem mit der langen Seilbrücke in großer Höhe, ist fortan nicht mehr die Rede. Schwierigekeitsgrad 2 auf der Skala von 1 bis 6 genügt fürs Erste. Wobei einige Passagen tatsächlich mindestens im Bereich drei liegen, vor allem wegen der Nässe auf dem Fels und der wenigen Eisenklammern als Kletterhilfe.

An einigen Stellen klettern wir nur wenige Meter neben dem Wasserfall. Ein Traum, auch wegen des Wetters. Sonne und Wolken, einige Nebelfelder, die um die Gipfel ziehen, verwandeln die Landschaft in eine fast surreale Welt. Vor allem, als wir nach 3 Stunden das Kletterabenteuer überstanden und die Endorphine zum „Gipfelfoto“ freien Lauf haben.

Beim nächsten Mal werden wir im Gasthof mit dem wunderbaren Blick von der Terrasse in das sonnenlichtüberflutete Hochtal übernachten, dort am Abend in das warme Wasser des Jacuzzi steigen und das Alpenglühen über dem idyllischen Hochtal genießen.

Aber das wird dann eine neue Geschichte…

Raus aus dem Nebel!

Nicht ganz leicht war es heute morgen, als um 7 Uhr der Wecker alle Träume beendete. Aber wenn samstags um 8 Uhr der Lauftreff ruft, gibt es keine Ausrede. Also: raus aus den Federn, zwei Tassen grünen Tee einverleiben, dazu eine Scheibe Brot, damit es beim Laufen nicht zu sehr im Magen plätschert. Langes Shirt als zweite Lage überziehen und los geht’s.

Mit Lauffreund und Lauftreffcoach Christoph bin ich schnell einig: Wir müssen hinauf zu Korlinger Höhe, der Sonne entgegen. Denn im Tal trübt der Nebel noch die Sicht auf den blauen Himmel.

Am Sportplatz warten Achim und Mario, die beide beim Frankfurt-Marathon starten werden. Sie haben sich etwas zum Trinken mitgenommen und wollen heute 30 Kilometer reißen. Ich habe das nicht vor, nichts Flüssiges dabei und freue mich, ohne Balast laufen zu können. Dass es am Ende dann für Christoph und mich doch 23 Kilometer und mehr als zwei Stunden werden, liegt weniger an mir.

Schön ist es trotzdem, vor allem, weil wir schnell in die von der Sonne beschienenen Teile der Landschaft laufen. Ein herrlicher Weitblick auf dem Weg zur Korlinger Höhe und ein schönes Tempo, um sich ohne Atemnot zu unterhalten.

Die Beine sind wieder locker, erst nach 18 Kilometern merke ich, dass ich mit diesen Trailschuhen vor einer Woche beim Marathon im Hochwald unterwegs war. Da melden sich Stellen, die ich in diesem Jahr noch nicht gespürt hatte. Kein Wunder, denn in den vergangenen Monaten war ich auf den langen Strecken immer mit den Lightweight-Schuhen unterwegs.

Der Herbst ist da. Das wird auch bei diesem Lauf deutlich. Das Laub hat sich innerhalb weniger Tage schon deutlich verfärbt. Goldener Herbst, sei willkommen.

Jetzt melde ich mich noch einmal für einige Tage ab: Herbstferien! Ich werde aus dem Berner Oberland hoffentlich mit vielen schönen Impressionen zurückkommen. Die Laufschuhe sind im Gepäck. Ein oder zwei Touren werde ich wohl machen. Aber die Wanderschuhe kommen deutlich häufiger zum Einsatz.

Allen Freunden und Gästen dieses Blogs eine gute Zeit!

 

Nebel, Sonne, Läuferwonne

Start im Morgennebel. Ein Shirt mit langen Ärmeln tut angesichts der kühlen Temperaturen gut. Der milchige Fleck am grauen Himmel markiert den Stand der Sonne. Hoch ist die Luftfeuchtigkeit. Die Brille beschlägt, auch wegen der Anstrengung, die der Weg auf die Höhe abverlangt. Alles ist gedämpft. Nur die Geräusche des eigenen Atems und der regelmäßig stampfenden Füße dringen ans Ohr. Dann ein Hauch von Himmelsblau. Die schemenhaften Umrisse nehmen Gestalt an. Erste Sonnenstrahlen durchdringen das Weiß.
Plötzlich ist sie da, auf der Höhe, die ganze Pracht dieses Spätsommermorgens. Azurfarben der Himmel. Die Natur erstrahlt im Licht der tief stehenden Sonne in prächtigen Farben. Unzählige filigrane Spinnweben mit Tautropfen, die, Miniaturedelsteinen gleich, blitzend Sträucher und Stauden am Wegesrand verzaubern.
Für uns Läufer hat die neue Jahreszeit begonnen. Der heiße und schweißtreibende Sommer ist vorbei. Die vielleicht schönsten Wochen für Freiluftsportler stehen bevor. Und für auch wettkampforientierte Sportler bringt der Herbst nicht nur prächtige Farben, sondern oft sogar den Höhepunkt des Jahres. Für Marathonis kann das der Start in Köln oder Frankfurt sein. Wer Landschaftsläufe liebt, trifft mit dem Spiridon-Volkslauf in Schillingen die richtige Wahl. Der bietet am Samstag im Hochwald Naturgenuss pur. Und wem es dorthin zu weit ist: Auf der anderen Seite der Mosel lockt am selben Tag der Eifelsteiglauf in Gerolstein. Zu hoch übrigens für Talnebel. In beiden Fällen ist Fernsicht garantiert.

Zurück im Altweibersommer

Die erholsamen und sonnigen Tage in den Bergen sind leider schon wieder vorbei. Dazu mehr  in den kommenden Tagen. Auch dazu, wie es sich in Höhenlagen über 2500 Metern läuft …

Vor dem Start in der Redaktion also noch etwas Kraft tanken bei einem Morgenlauf in heimatlichen Gefilden. Das ist zwar schwer mit Expeditionen in luftiger Höhe zu vergleichen. Der Nebel-Sonne-Mix mit Spinnweben-Garnitur ist aber auch nicht zu verachten: Adieu Sommer – willkommen Altweibersommer.

Was ich damit meine? Macht Euch selbst ein Bild:

Zehn wunderbare Kilometer!

Brennnesselland

Die Brennnesseln (Urtica) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae). Sie kommen fast weltweit vor. In Deutschland nahezu überall anzutreffen sind die Große Brennnessel und die Kleine Brennnessel, nur selten auch die Röhricht-Brennnessel sowie die Pillen-Brennnessel.

….

Bekannt und unbeliebt sind die Brennnesseln wegen der schmerzhaften Quaddeln (Schwellungen), die auf der Haut nach Berührung der Brennhaare entstehen. Je nach Brennnesselart unterscheiden sich die Folgen, so ist beispielsweise die Brennflüssigkeit der Kleinen Brennnessel (Urtica urens) wesentlich schmerzhafter als die der Großen Brennnessel (Urtica dioica).

Soweit Wikipedia zu diesem Thema.

Da meine Kamera heute wegen Stromschwäche gestreikt hat, bleiben den Gästen meines Blog Bilder von einem Stab schwingenden Läufer erspart, der sich auf seinem Lieblingstrail die unangenehmen Nesseln vom Lieb halten will. Dort am Petrisberg wuchert die Natur weiterhin wild. Nach diesem „Kampfeinsatz“ dürfte der versteckte Pfad allerdings wieder einige Tage ohne Quaddelgefahr zugänglich sein.

Leider gibt es aber auch keine Fotos von der wunderbaren Spätsommerstimmung, die am Morgen über dem Trierer Land lag. Dunst und mildes Licht der nicht mehr so kraftvollen Sonne verzauberten Täler, Hügel und die Stadt…

Der Herbst kündigt sich langsam an. Die Blätter beginnen sich zu verfärben. Hochsaison für uns Läufer. Wobei: für mich ist in diesem Jahr durchgehend Saison. Nächste Herausforderung: Hochwald-Marathon am 22. September. Sehr empfehlenswert!

Versteht sich von selbst, dass bis dahin noch einige Höhenmeter gelaufen sein wollen. So wie heute im Brennnesselland.

In der grünen Hölle

Steilkurven laufen sich nicht besonders gut. 24,4 Kilometer auf Asphalt tun den Füßen nicht besonders gut. 600 Meter hoch und 600 Meter runter sind für so eine Distanz ziemlich viel. Und dann auch noch „grüne Hölle“ als Namen für die Rennstrecke… warum tun sich in jedem Jahr Tausende Läufer an? Ganz einfach: Weil es trotz allem ein grandioses Erlebnis ist, über die Nordschleife des weltberühmten Nürburgrings zu laufen

Hier das Ereignis in Bildern:

Früh aufgestanden, um 6.30 Uhr geht’s los in die hohe Eifel. Der Nieselregen hört bald auf, der Nebel lichtet sich. Erste blaue Flecken. Aber am Ring ist wieder alles dicht bei 8 Grad. Aber die Sonne wird kommen.

Auf den Parkplätzen ist schon viel los. Im Ringboulevard steht die längste Schlange an dem einen Schalter, an dem die Vorangemeldeten mit eigenem Chip ihre Startunterlagen abholen. An den zehn anderen Schaltern langweilen sich die Helfer.

Christoph, Rudi und Marcel sind als Nachmelder also schneller als ich. In der großen Halle treffen wir uns wieder zum Umkleiden. Es gibt für jeden einen Turnbeutel mit Eiskaffee vom Hauptsponsor, kleinen Stärkungen, einem Duschgel und einer Dose Energy-Drink.

Auf dem Weg zu den Katakomben, die zum Start auf der Start-Ziel-Geraden führt, ziehen Rennboliden hinter Schaufensterscheiben die Blicke auf sich.

Noch immer Nebel… Das lässt frösteln.

Die Stimmung ist dennoch gut.

Noch einige Minuten bis zum Start. Wo die Läuferinnen und Läufer stehen, warten sonst PS-Boliden darauf, dass die Ampel grün anzeigt.

Die Ampel ist heute aus. Der Startsprecher schafft es dennoch, das Kollektive Hände-zum-Himmel zu initiieren.

Und los geht es. Ganz gemächlich, an vielen Zelten, Wohnmobilen und Pavillons vorbei. Hier campieren die Teams von Rad am Ring auf ihr 24-Stunden-Rennen.

Auf der breiten Piste ist viel Platz für alle Läufer. Verpflegungsstellen gibt es mehr als bei einem Stadtmarathon. So viel kann man gar nicht trinken oder essen.

Immer wieder geht es hinauf und hinab. Bei Adenau ist der tiefste Punkt der Strecke erreicht. Nun eine kurze Rampe hoch, dann nochmal durchschnaufen.

Der Nebel hat sich inzwischen nahezu verflüchtigt. Die grüne Hölle ist ein Traum.

Christoph und Rudi laufen wie ich heute in den Shirts des SV Olewig.

Und dann geht es zum langen Anstieg Auf die Hohe Acht. Hier gehen viele Läufer.

Das Ende hat es nochmal in sich: zwei Anstiege, die es in sich haben. Gut, wer sich noch einige Körner aufgespart hat.

Im Ziel gibt es eine hübsche Medaille.

Kurz danach entdecke ich Marion Hansen, die heute mit ihrem Mann Dirk und dessen Bruder Sven aus Aachen an den Ring gekommen sind. Marion und Dirk hatte ich beim Silvesterlauf in Trier kennengelernt. Wir hätten uns auch jetzt viel zu erzählen. Da sie nach dem Start auf der kurzen Distanz noch auf ihre Männer wartet, schaue ich zunächst, dass ich mit den Anderen ins Warme komme. Denn trotz der Sonne ist es um kurz vor 11 Uhr nach dem Lauf ziemlich kühl.

Im Ring-Boulevard laufen derweil die Siegerehrungen für die 5er- und 10er-Läufe.

In dem großen Gebäude wäre auch der Start für die schnellste Achterbahn Europas. Wenn die denn fahren würde. Das imposante Fahrgeschäft, das dem Eingangsbereich zum Ring eine besondere Note gibt, hat aber leider noch immer keine Betriebserlaubnis.

Von dem Lauf und der Organisation sind wir begeistert. Dennoch beschließen wir, zügig die Rückfahrt nach Trier anzutreten. Auf der Fußgängerbrücke über die kaum befahrene Straße am Hazptgebäude treffe ich Marion, jetzt begleitet von Dirk und Sven, noch einmal. Großes Hallo! Sven kannte ich bislang nur als Netzbekanntschaft.

Das war also der Nürburgringlauf 2012. Offizielle Zeit: 2:04:34 Stunden. Jetzt gehört die Strecke den Radfahrern. Auch sie freuen sich über ideales Wetter.