Sturm und Drang

Mein innerer Drang zu laufen wird stärker. Nach erneut eine Woche kompletter Abstinenz stand gestern der zweite Besuch beim Orthopäden an, in diesem Fall in Kombination mit dem Date beim Sportwissenschaftler, der Bewegungsabläufe und Gelenkstellungen unter die Lupe genommen hat.

Die einzelnen Übungen waren interessant. Wie wackelig einige Ausführungen waren, hat mich aber doch etwas erschreckt. Das nach innen Knicken des Knies, vor allem rechts erklärt möglicherweise meine über Jahrzehnte chronischen Knieschmerzen, die erst mit dem Laufsport verschwunden sind. Ansonsten bestätigten die Tests, was Coach Jens vor 15 Monaten bei seiner Laufanalyse bereits festgestellt hat: Tendenz zum „Sitzläufer“, zu geringes Anwinkeln des Unterschenkels. Zu starke Außenrotation des Fußes.

Kräftigung von Gesäß, innerer Oberschenkelmuskulatur sowie Stabilisierung von Fußgelenk und Knie sind angesagt, um noch gesünder unterwegs zu sein.

Und die Schmerzen im Fuß? Eine richtige Erklärung dafür haben weder Arzt noch Sporttherapeut. Zu lange die alten Schuhe gelaufen und zu heftige Umstellung beim Wechsel auf die neuen mit dem Ergebnis einer zu starken Reizung der inneren Fußmuskulatur und Gelenke. So die vorsichtige Ergründung der Ursachen.

Und was tun? Das, was gut tut, ausprobieren, wenn’s in zwei bis drei Wochen nicht besser wird, gezielt Schmerztherapie.

Und die neuen Schuhe? Laut Videoanalyse eigentlich ideal, was den Fußauftritt betrifft: Perfekter Mittelfußlauf. Was den Innenschuh betrifft, müsse ich selbst ergründen, ob ich mich wohl fühle. Eine leichte Pronationsstütze ist weiterhin Pflicht. So führte der Weg denn postwendend in das Sportgeschäft im selben Haus. Ein Paar neue Treter für Füße und Psyche. Und mit denen dann ab in den Weißhauswald zum TV-bewegt-Training …

Was dort passiert ist, beschreibt Anne in ihrem witzigen Beitrag wunderbar. Die Halbmarathonis wollten eine große und flache Runde absolvieren. Ich, in den neuen Tretern, mit dabei. Ansage: Ich werde keine 90 Minuten laufen und vorher umkehren. Dazu kam es dann nicht, weil angesichts der näher rückenden schwarzen Wolkenfront vorsorglich früher der Weg in Richtung Waldstadion führte. Eine gute Entscheidung, denn lediglich auf den letzten 200 Metern öffnete der Himmel seine Schleusen. Gutes Timing ist alles. 😉

Und wie bekommen meinem Fuß die 60 Minuten laufen? … Bislang gut. Keine Verschlimmerung. Aber das Gefühl am Abend, die Beine bewegt zu haben, war wunderbar.

Ich werde nicht übermütig, keine Sorge. Aber der Lichtblick sei mir gegönnt.

It’s Shoetime

 

Laufen ist ein preisgünstiger Sport. Ein paar Schuhe, nicht zu schlechte Socken, eine Sporthose und ein Shirt. Wege und Pfade gibt es überall zu jeder Tages- und Nachtzeit – kostenlos. Soweit die Theorie.
Dass der Laufsport durchaus seinen Preis hat, weiß jeder, der diese körperliche Ertüchtigung regelmäßig ausübt. Da wird dann ein zweiter Satz Hose und Shirt fällig. Mindestens. Und eine nicht ganz billige Laufuhr mit Pulsmessung und GPS-Sensor für die satellitengenaue Aufzeichnung der Trainingsrunden ist nicht nur Statussymbol für Gemeinschaftsläufe. Käppi, Mütze, Handschuhe, Stirnlampe, Kompressionsstrümpfe, Getränkegürtel, Halstuch und atmungsaktiv-winddichte Jacke ergänzen die Grundausstattung – nicht zu vergessen die sportlich schnell trocknende Unterwäsche.
Das wichtigste Laufutensil sind aber ohne Zweifel die Schuhe. Bequem sollen sie sein, den Fuß umschließen ohne zu drücken. Die Sohle muss Halt geben, idealerweise auf Asphalt und im Gelände – bei jedem Wetter. Schweißtreiber sind ebenso wenig erwünscht wie Wassertreter, die jede Pfütze zu einem kneippschen Fußbad werden lassen. Und dann müssen Schuhe noch leicht und schnell sein, fest und stabil.
Das ist nicht billig – 100 Euro und mehr sind da schnell fällig. Und alles auf einmal bekommt man auch nicht für sein Geld. Deshalb habe ich ein eigenes Regal für meine Laufschuhe. Von wegen Showtime … it’s Shoetime! Da stehen die leichten grünen Rennschlappen neben den gelben stabilen Trailschuhen neben den superleichten Crossrennern neben den schwarzen Barfußschläppchen. Und in der zweiten Reihe? Die jeweiligen Vorgängerschuhe sind zwar ausgelatscht und profillos. Einfach entsorgen geht aber auch nicht.
Seit Samstag habe ich dank der Überzeugungskraft meines Laufschuhdealers wieder ein paar Arbeitsschuhe für den Garten mehr – und ein wirklich heißes Paar der neuesten Gel-Goretex-Ultra-Grip-nimmt-jede-Pfütze-Laufpower-Fußumschmeichler.
Den Winter werde ich also läuferisch überstehen. Und dann? Bei genauem Hinsehen scheinen mir die leichten, grünen Schuhe auch nicht mehr ganz frisch zu sein. Wer hat eigentlich behauptet, Laufen sei ein preisgünstiger Sport?

Echte Renner fürs Gelände: Asics Fuji-Racer

Das habe ich nun davon… Diese ganze Trainiererei hat dazu geführt, dass mir meine Trabuco doch ziemlich schwer und klobig vorkommen. Von der leichteren Alternative meines Lieblingsschuhherstellers hatte ich bereits gelesen. Und als sie nun im Regal vor mir standen, konnte ich nicht widerstehen.

Natürlich passten sie bei der spontanen Anprobe sehr gut. Und als mir der freundliche Verkäufer nach einer kleinen Fachsimpelei auch noch einen ordentlichen Preisnachlass gab, war auch die letzte Zurückhaltung verflogen.

Die neuen Fuji-Racer ergänzen nun mein Laufschuh-Arsenal.

Der leichteste und dynamischste Trailschuh aus der FUJI-Serie ist der GEL-FUJI RACER. Bei einem Gewicht von nur 250 Gramm und dank seiner extrem flachen Mittelsohle mit einer Sprengung von 15 mm/ 7 mm besitzt er eine sehr dynamische Abstimmung und ein sehr direktes Bodengefühl. Der GEL-FUJI Racer kann sich über zwei Auszeichnungen freuen: den RUNNER´S WORLD Editor´s Choice und den aktuellen Kauftip des Trail Magazins.

O.k., den ersten Test hat der neue Schuh mit Bravour überstanden. Allerdings werde ich mich langsam an ihn gewöhnen. Denn ohne Stütze ist er. Und das erfordert von einem Überpronierer wie mir eine saubere Lauftechnik, die ein Abrollen über die Ferse möglichst ausschließen sollte.

Nach ausgiebigem Test steht fest: Das ist die absolute Empfehlung für schnelle Läufe im Gelände. Superleicht, supergriffig. Die Sohle ist der Hammer. Der Grip lässt auf Feldwegen und Trails keinerlei Wünsche übrig.Und wenn es mal durch die Löcher in der Sohle nass wird im Schuh, ist das auch kein Problem. Das Wasser fließt auch wieder ab. Kalte Füße ist für Läufer eh ein Fremdwort.

Für die Straße taugt dieser Renner natürlich nicht. Das macht wenig Spaß und beschleunigt die Verschleißerscheinungen enorm.

 

 

Und tschüss…

Es fühlt sich komisch an, nicht zu laufen. Wirklich. Mein innerer Schweinehund ist falsch gepolt. Der flüstert mir ständig zu, ich soll doch entgegen aller Vernunft die Laufschuhe schnüren.

Also Gymnastikmatte raus und zumindest einige Übungen für Bauch-, Rücken- und Rumpfmuskulatur erledigt.(Ich glaube, das werde ich für meine Kolumne am Donnerstag verwenden 😉 )

Tapering ist angesagt. Ruhe, gaaanz ruhiges Laufen am Dienstag und Donnerstag, am Mittwoch einige kurze und nicht zu schnelle Intevalle. Der Körper soll Kraft schöpfen für Sonntag, wenn das große Experiment „Konsequentes Training für einen schnellen Marathon“ in Hamburg seinen Abschluss findet.

Ein letztes Foto - und tschüss

Sozusagen symbolisch für den Start in die wichtige Ruhephase vor dem Lauf habe ich meine blauen Treter der Tonne überantwortet. Sie haben mir für länger als ein Jahr regelmäßig gedient, haben mich beim Berlin-Marathon ordentlich gezwickt, waren beim Krampf-Marathon im Hochwald nicht für die steinharten Waden verantwortlich.

Nach etlichen Wochen ungenutzten Herumstehens im Regal habe ich mich nun überwunden. Ein letztes Foto. Das war’s. Es war schön mit euch.